Jäger : Brandenburg jagt die putzige Plage

Trotz hoher Abschusszahlen vermehren sich Waschbären rapide. Auch Wildschweine und Rothirsche laufen immer häufiger vor die Flinten der Jäger.

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Possierlicher Störenfried. Waschbären sind in den Brandenburger Wäldern beinahe zu einer Plage geworden.
Possierlicher Störenfried. Waschbären sind in den Brandenburger Wäldern beinahe zu einer Plage geworden.Foto: dpa

Potsdam - In Brandenburg vermehrt sich das Wild inzwischen so rapide, dass die Jäger im Land Mühe haben, das Wachstum der Bestände etwa bei Wildschweinen oder Waschbären wenigstens einigermaßen einzudämmen. Das geht aus dem aktuellen, dem Tagesspiegel vorliegenden Jagdbericht des Landes hervor, den das für Forst zuständige Infrastrukturministerium jetzt fertiggestellt hat. „Beim Schwarzwild etwa, das besonders große Schäden verursacht, kommen wir kaum hinterher“, sagt Jan Engel, Sprecher des verantwortlichen Landesbetriebs Forst in Eberswalde, der selber Jäger ist. Obwohl so viel erlegt wird wie wohl nie seit Kriegsende, nehmen die Bestände nach seinen Angaben weiter zu. Dabei sei es in einigen Regionen, wie etwa dem Fläming „dringend nötig“, die Bestände zu reduzieren, sagt Engel. „Das Wild zerbeißt junge Bäume, so dass der Wald sich nicht verjüngen kann.“

Dabei treffen die Jäger oft. In der Saison 2008/09 erlegten sie über 80 000 Wildschweine, so viele wie nie seit Jahrzehnten. 42 000 waren es noch 2006/07. Ähnlich sieht es beim Waschbären aus, der ursprünglich nicht in Deutschland heimisch war und sich seit der Jahrtausendwende „explosionsartig vermehrt“, wie Engel sagt. Die Jäger schossen 10 580 Waschbären, eine neue Rekordmarke, die meisten in Ostprignitz-Ruppin (2511), in Märkisch-Oderland (1854) und Oberhavel (1300). Im Jahr zuvor waren es knapp 8000. Die Kadaver der Tiere werden größtenteils vergraben, nur in seltenen Fällen wird das Fell verarbeitet. Die sich rasant ausbreitenden Waschbären oder die aus Osteuropa eingewanderten Marderhunde bringen das Gleichgewicht in den Wäldern durcheinander und verdrängen klassische Arten. „Da nehmen schon die Füchse Reißaus“, sagt Engel. Die Waschbären etwa seien nicht nur in Brandenburg flächendeckend präsent, „sondern auch in Berlin“. Allerdings, noch ist der Fuchs das dominierende Raubtier in den Wäldern, wofür der Abschuss von 35 638 ein Beleg ist. Mit der Bilanz bei den Raubtieren sind die Jäger nicht zufrieden. „Dabei muss der Einsatz von Fallen, insbesondere von Lebendfallen, unbedingt verstärkt werden“, heißt es im Bericht. „Allein mit der Waffe ist das vorwiegend nachtaktive Raubwild nicht zu reduzieren.“

Bei den „klassischen“ gejagten Arten stiegen die Zahlen ebenfalls immens. Geschossen wurden 69 000 Rehe, 8900 Rothirsche, „das höchste Ergebnis der letzten 35 Jahre“. Zum Vergleich: Zu DDR-Zeiten schwankte die Rotwild-Strecke zwischen 2300 erlegten Tieren (1972) und 6700 im Jahr 1989. Dass sich das Wild dennoch so schnell vermehrt, hat viele Gründe. Einer ist, dass entgegen den Vorgaben zu viele männliche, zu wenig weibliche Tiere geschossen werden, so der Bericht. Ein anderer, dass es „zu wenige Jäger“ gibt. Wie die freiwilligen Feuerwehren und Sportvereine suchen auch Brandenburgs Jäger nämlich „dringend Nachwuchs“.

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