Boxen : Jede Unfallmeldung verstärkt die Unruhe

CLAUS-DIETER STEYER

SEEFELD .Jede Meldung über einen Unfall mit einem Tanklastzug sorgt im kleinen Seefeld an der nordöstlichen Berliner Stadtgrenze für Aufregung.Denn hier mag sich niemand ausmalen, welche Folgen ein Unglück in seinem Dorf hätte: In kaum einen anderen Ort Ostdeutschlands liegt das Gefahrenpotential so hoch wie in Seefeld.Hier befindet sich das große Tanklager der Schwedter PCK-Raffinerie, aus dem ganz Berlin, Brandenburg und die angrenzenden Bundesländer versorgt werden."Wir haben bis zu tausend Tanklastzüge gezählt, die Tag und Nacht durch den Ort fahren", sagt Professor Willi Hellmann von der örtlichen Bürgerinitiative."Mit bis zu 40 000 Litern Treibstoff oder Heizöl fahren sie vom Tanklager durch den Ort bis zur Bundesstraße 158 und weiter zum Berliner Ring." Angesichts der Risiken müsse endlich eine Ortsumgehungsstraße oder zumindest eine direkte Verbindungstrasse vom Tanklager zur Bundesstraße gebaut werden.

Obwohl vom lärmenden und gefährlichen Verkehr auf der schmalen Krummenseer Chaussee auch etwa 350 alteingesessene Seefelder betroffen sind, haben erst die Bewohner der Neubausiedlung am Haussee die Bürgerinitiative ins Leben gerufen.Vor allem Berliner ließen sich vom vermeintlichen Idyll im Grünen vor die Stadtgrenze locken."Jetzt finden wir kaum Ruhe, da praktisch zu jeder Tageszeit ein vollbeladener Tankzug vorbeirollt", berichtet der 68jährige frühere Professor der Berliner Polizeihochschule.Die neuen Häuser befinden sich ausgerechnet an einer Steigung, die den Lärmpegel noch erhöht.Außerdem fürchten die Bewohner um die Sicherheit der sich an der Straße befindlichen Schule.

Die Alt-Seefelder haben sich wohl irgendwie an die Belastung gewöhnt, zumal viele von ihnen im Tanklager eine Beschäftigung fanden.Zu DDR-Zeiten wurde der größte Teil der Treibstoffe per Bahn nach Berlin transportiert.Heute verteilen fast nur noch Fahrzeuge der Firmen DEA, Agip, Elf, Total und Ruhröl das über eine unterirdische Pipeline aus der Schwedter Raffinerie nach Seefeld beförderte Benzin.

Laut Auskunft von Amtsdirektor Wolfgang Grabsch steht die ersehnte Ortsumgehungsstraße noch nicht im Bundesverkehrswegeplan.Deshalb appellierte die Bürgerinitiative an die Tanklager-Betreiber, eine Umgehungstraße zu bauen."Wir sind nicht an einer Konfrontation interessiert, sondern hoffen auf eine einvernehmliche Lösung", sagt Willi Hellmann.Eine zwei Kilometer lange Straße dürfe doch angesichts der großen Umsätze der Ölkonzerne nicht am Geld scheitern.Die Bürgerinitiative sei inzwischen längst keine Gruppe der Zugezogenen mehr.Jede Nachricht über Unfälle mit Tanklastzügen wie jüngst auf der Autobahn Berlin-Hamburg verschaffe ihr neuen Zulauf.

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