Boxen : Jeden Monat starb ein Mensch auf der A 12

Zwölf Tote 2006 – doppelt so viele wie im Vorjahr Opfer waren zumeist Lkw-Fahrer, die in Stau rasten

Claus-Dieter Steyer

Frankfurt (Oder) - Die Autobahn A 12 zwischen Berlin und der polnischen Grenze bei Frankfurt (Oder) wird wohl auch in diesem Jahr den Ruf als eine der gefährlichsten Strecken Deutschlands behalten. Zwölf Menschen starben 2006 auf dieser Autobahn – die meisten am Steuer eines Lastwagens, mit dem sie in das Stauende krachten. 2005 wurden lediglich sechs Tote auf der A 12 gezählt.

Doch nach Auskunft von Polizei und des Landesbetriebs Straßenwesen sind keine entscheidenden Veränderungen auf den knapp 60 Kilometern zwischen dem Dreieck Spreeau und der Oderbrücke vorgesehen. Vor allem bleibt die Hauptursache für die Unfälle – der häufig fünf bis 15 Kilometer lange Stau der Lastwagen vor der Grenzabfertigung. Selbst drastische Schritte wie ein Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde zwischen Müllrose und der Grenze oder der Dauereinsatz von Polizei und Autobahnamt am Stauende halfen nichts. Das Blaulicht oder die blinkenden Schilderwagen wurden übersehen oder bewusst ignoriert. Oft reichte dann der Bremsweg vor dem letzten Lkw im Stau nicht mehr aus.

Gefährdet sind aber auch Pkw-Fahrer. „Gerade Ortsfremde können die Lage oft nicht richtig einschätzen“, heißt es von der Polizei in Frankfurt. „Da die Lkw-Fahrer im Stau manchmal große Lücken zum Vordermann lassen oder einfach die Weiterfahrt verpassen, scheren Pkw-Fahrer von der linken in die rechte Spur ein, geben Gas und können dann vor dem nächsten Stau nicht mehr rechtzeitig bremsen.“ So erging es einer 37-jährigen Frau, die mit ihrem Pkw bei Tempo 120 unter einen Lkw rutschte. Für sie und ihre sechsjährige Tochter kam jede Hilfe zu spät.

Entschärft werden könnte die Situation durch eine Erweiterung von zwei auf drei Fahrspuren, wie ihn die Speditionen schon lange fordern. Doch dafür reicht das Verkehrsaufkommen paradoxerweise nicht aus. Zwar stieg die Zahl der Autos auf der A 12 in beiden Richtungen von 30 300 im Jahre 2004 auf 33 500 im Vorjahr an, aber erst ab 60 000 Fahrzeugen erhalten Autobahnen in Deutschland einen Ausbau. Auf der Strecke nach Polen ist aber nicht der rollende Verkehr das Problem, sondern der stehende.

Zumindest wird in den kommenden Jahren wenigstens ein Standstreifen gebaut. 2007 steht der Abschnitt bei Fürstenwalde auf dem Programm, 2008 folgt Briesen und bis 2010 wird die Strecke vom Dreieck Spreeau bis Storkow erneuert und ausgebaut. Doch auch das hilft vermutlich nur wenig gegen die mangelnde Aufmerksamkeit der vorwiegend aus Osteuropa stammenden Unfallverursacher. Viele von ihnen sind übermüdet, und vor dem Stau müssen sie das erste Mal seit vielen Kilometern wieder bremsen.

Erst der für Anfang 2008 geplante Wegfall der Zollkontrollen zwischen Polen und Deutschland dürfte die Situation dauerhaft entschärfen. Dann soll der Verkehr hier genauso rasch rollen wie nach Frankreich oder in die Niederlande.

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