Boxen : Jeder Dritte fährt einfach nur ins Blaue

Immer mehr Berliner erholen sich in Brandenburg. Sie suchen dort vor allem die Natur – zum Beispiel in Bad Saarow oder in Rheinsberg

Bernd Matthies

Brandenburg und Natur – das ist für Berliner Ausflügler praktisch eins. Denn wenn sie die Stadt in Richtung Brandenburg verlassen, dann in erster Linie, um Wälder, Wiesen und Seen zu genießen. Und sie nutzen diese Möglichkeit in immer stärkerem Maße, wie eine Studie des zur FU Berlin gehörenden Willy-Scharnow-Instituts für Touristik ergab. Zum ersten Mal seit 1998 haben die Forscher jetzt wieder Berliner repräsentativ zu ihrem Ausflugsverhalten befragt. Gestern wurde das Ergebnis am Rande der ITB vorgestellt.

Das wichtigste Resultat: Die Zahl der Touren nach Brandenburg ist in diesen fünf Jahren weiter gestiegen. Jeder Berliner unternahm 1998 im Durchschnitt 12,7 Ausflüge, 2003 waren es schon 14,7 und damit 35 Millionen Tagestouren insgesamt. Pro Kopf werden dabei 19 Euro ausgegeben. Die Ko-Autorin der Studie, Kristiane Klemm, schätzt, dass die Berliner im Umland insgesamt jährlich eine halbe Milliarde Euro ausgeben, davon rund zwei Drittel in Restaurants.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Die Brandenburger Offiziellen liegen offenbar richtig mit ihrem Kurs auf mehr Fahrradrouten und Thermal- sowie Freizeitbäder. In beiden Bereichen wurden signifikante Anstiege verzeichnet. Dies zeigte sich auch daran, dass in der Rangliste der beliebtesten Ziele Bad Saarow und Templin deutlich zulegen konnten, während die Anziehungskraft der Ranglistenführer Potsdam und Spreewald stagnierte oder zurückging. Geht es um Kurzurlaube mit Übernachtung, liegt die Region Bad Saarow am Scharmützelsee in den Reiseplänen für das laufende Jahr sogar schon an zweiter Stelle hinter dem Spreewald, noch vor Rheinsberg am Stechlinsee. Befragt wurden 1007 Berliner, davon 57 Prozent aus dem Westen der Stadt. Diese Differenzierung brachte übrigens das erwartete Resultat: Die West-Berliner fahren überwiegend in westliche Brandenburg, die Ost-Berliner überwiegend in östliche Richtung; Rheinsberg im Norden wird eher von West-Berlinern bevorzugt.

Weitaus beliebtestes Transportmittel ist nach wie vor das Auto, das von 65,9 Prozent der Ausflügler genutzt wird. Das allerdings ist ein Rückgang um über 5 Prozentpunkte, während S- und Regionalbahn um über 3 Punkte auf 21,8 Prozent zulegen konnten. Das Fahrrad spielt als Gefährt für die eigentliche Anreise zwar nur eine untergeordnete Rolle, aber seine wachsende Beliebtheit spiegelt sich darin, dass 2003 knapp 36 Prozent der Berliner zumindest ein Mal per Rad in Brandenburg unterwegs waren – ein Drittel brachte es sogar auf zehn Touren und mehr.

Auch für Aufenthalte mit Übernachtung wird Brandenburg der Studie zufolge langsam attraktiver. 1998 hat nur jeder fünfte Berliner mindestens einmal im Umland übernachtet, 2003 war es schon jeder vierte. Überraschend hat sich die Auswahl der Unterkünfte in diesem Zeitraum stark verändert. Rund 31 Prozent der Übernachtungen entfielen auf Hotels (1998: 19,4 Prozent) und Gasthöfe (19,4 statt früher 10,3 Prozent), während die Zahl der Übernachtungen bei Verwandten und Freunden stark gesunken ist (von 22 auf 38 Prozent). Auch der Campingtourismus nahm ab, wenn auch in geringerem Maße. Freunde und Bekannte sind andererseits immer noch die wichtigsten Berater, wenn es um die Wahl eines geeigneten Ausflugsziels geht. Auch die Medien spielen bei der Planung eine große Rolle, und immerhin ein Drittel der Ausflügler fährt einfach ins Blaue.

Nur 20 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten 2003 überhaupt keinen Ausflug nach Brandenburg unternommen. Und zwölf Prozent all jener, die in Brandenburg waren, sind offenbar vorerst als Touristen verloren. Sie sagten: Ich kenne schon alles und fahre demnächst lieber mal woanders hin.

Die Studie entstand im Auftrag der Tourismus-Marketing Brandenburg mit Unterstützung des Brandenburgischen Kurorte- und Bäderverbandes, des ADAC, des ADFC und der Messe Berlin.

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