Boxen : Kaiserbahnhof: Zwei Potsdamer Gastronomen fahren auf das Denkmal ab

Michael Erbach

Neue Hoffnung für den Kaiserbahnhof nach jahrelangem Stillstand bei den Bemühungen um die Restaurierung des Welterbe-Denkmals: Die Potsdamer Gastronomen Andreas Schlausch und Siegbert Nicolaides wollen das gesamte Projekt als Eigentümer und Betreiber übernehmen. Derzeit laufen intensive Verhandlungen zwischen dem bisherigen Eigentümer, der Deutschen Bahn AG, und den beiden Potsdamern, wie Bahnsprecherin Ariane Alzer gestern bestätigte. Schlausch erklärte dieser Zeitung: "Ja, wir wollen Eigentümer werden." Die Übernahmekonditionen sind indes noch unklar. Eine detaillierte Kostenanalyse für die Sanierung des zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten kaiserlichen Bahnhofs am Rande vom Park Sanssouci wird zurzeit erarbeitet.

Potsdams amtierender Baubeigeordneter Andreas Goetzmann sagte auf Anfrage, er rechne damit, dass die Kostenaufstellung in zwei Monaten auf dem Tisch liegen werde. Diese Analyse werde dann zur Grundlage für die weiteren Berechnungen. Bislang wird davon ausgegangen, dass allein die Sanierung des historischen Ensembles mehr als 20 Millionen Mark kosten wird. Der Großteil davon soll durch Fördermittel aufgebracht werden. Zudem will sich die Bahn an den Kosten beteiligen. Goetzmann sagte, dass es darum gehe, für die Kostenstellen die Anteile der einzelnen Partner festzulegen und den günstigsten Fördermix zu erarbeiten. Auf jeden Fall befinde sich das Projekt "in einer Phase, wo alles handfest und konkret wird".

Hartmut Dorgerlow, Referatsleiter Denkmalschutz im Brandenburger Kulturministerium, bestätigte, dass es intensive Verhandlungen gebe. Die Gespräche ließen den Schluss zu, dass im kommenden Jahr mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden könnte. "Das ist eine realistische Zielstellung", sagte er dem Tagesspiegel.

Das im Herbst des vergangenen Jahres von den Potsdamer Gastronomen vorgestellte Konzept einer gastronomischen und kulturellen Nutzung hat nach Informationen des Tagesspiegel mittlerweile die Zustimmung aller Gremien erhalten. Neben Galerien, Souvenirshops und Restaurants ist auch ein Biergartenbetrieb vorgesehen. Geplant sind Ausstellungen, Märkte und Konzerte. Die Bahnhofshalle, die Gleisanlagen und auch die historischen Reitwege sollen ebenfalls in das Nutzungskonzept einbezogen werden.

Dorgerlow sagte, das Konzept sei eine "aus denkmalpflegerischer Sicht wunderbare Lösung", weil die Substanz des Gebäudes durch die geplanten Baumaßnahmen nicht beeinträchtigt werde. Die Pläne seien "am Bestand und am Machbaren orientiert". Die zentralen Bereiche des Denkmals würden auch nach der Umnutzung weiter zugänglich sein, der Komplex in seiner historischen Substanz weiter klar erkennbar bleiben. Dorgerlow: "Das ist der bislang beste Vorschlag, um das größte ungelöste Problem im Potsdamer Welterbebereich zu lösen."

Ariane Alzer, Pressesprecherin der Deutsche Bahn Immobilien, bestätigte, dass es Verhandlungen zwischen den Potsdamer Gastronomen und der Bahn gebe. "Ein endgültiger Vertrag ist aber noch nicht in Sicht".

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