Boxen : Kaufen bei Käthe und Karl

In der Lausitz eröffnete am Sonnabend ein Kaufhaus speziell für Senioren – bereits zum zweiten Mal.

Andreas Wilhelm

Großräschen – Ob Stützstrümpfe, Unterbauch-Hosen, Korsagen, spezielle Schuhe mit weichem Zehbereich, sprechende Wecker und Waagen, Handys mit großen Tasten oder sogenannte Inkontinenzwaren – unter dem Dach der „Käthe und Karl GmbH“ dreht sich auf 800 Quadratmetern alles um die Bedürfnisse der älteren Generation. Bereits zum zweiten Mal.

Deutschlands pleitegegangener erster Seniorenfachmarkt wurde am vergangenen Sonnabend wieder eröffnet. Die ersten Betreiber des zweistöckigen Hauses in Großräschen in der Lausitz hatten 2005 den Fachmarkt eröffnet und waren im April dieses Jahres zahlungsunfähig geworden. Nun hat Matthias Rieten, der aus Rheinfeld bei Lübeck stammende neue Geschäftsführer, große Pläne, was den zweiten Anlauf angeht. „Das Konzept halte ich immer noch für funktionierend und zukunftsweisend“, sagt Rieten. Vielleicht zu Recht: Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums soll 2035 der Anteil der über 50-Jährigen am Konsum bei 58 Prozent liegen. Die Gruppe der über 65-Jährigen ist schon heute die mit den höchsten Zuwächsen bei den Konsumausgaben.

Jetzt gelte es, sagt Rieten, an den Einzelheiten zu feilen. Dazu gehöre, sich auf bestimmte Lieferanten- und Hersteller zu beschränken. Dies solle unter anderem zu niedrigeren Preisen führen.

Erhöhten Zulauf an Kundschaft verspricht sich Rieten in verbesserten Pauschalangeboten. Tagestouren verknüpft mit Modenschauen, Stadtrundfahrten und Kaffeetafeln sollen den Umsatz heben. „Bis November sind wir bereits sehr gut gebucht“, sagt der Marktchef. Allein was die Bustouren betrifft, will Rieten bis zu 15 000 Kunden im Jahr begrüßen.

Mit den Organisatoren von Werbe-Kaffeefahrten, bei denen „Senioren übers Ohr gehauen werden“, möchte Rieten aber nicht in eine Schublade gesteckt werden. „Unser Personal ist streng angewiesen, auf keinen Fall den Eindruck von Kaufzwang zu erwecken.“ Acht Mitarbeiter, entweder per Weiterbildung oder von den Herstellern selbst geschult, sind im Verkauf und in der Beratung tätig.

Wenn es gut läuft, soll aus dem Seniorenfachmarkt später einmal ein Franchise-Unternehmen werden. In anderen Städten sollen dann autonome Filialen mit eigenständigen Geschäftsführern eröffnen, die das Konzept und Erscheinungsbild des Originals kopieren. Großräschen solle dann als Basis-Kaufhaus fungieren. In den kommenden Jahren, hofft Rieten, seien deutschlandweit zehn bis zwölf solcher Franchise-Betriebe möglich.

Karin Eggeling, die Vorsitzende des Seniorenbeirates von Großräschen, freut sich über die Neueröffnung des Marktes. „Viele Sachen waren früher zu feierlich und zu teuer“, sagt die Rentnerin. Eggeling hofft, dass der neue Betreiber die Preise „nicht zu überheblich“ gestaltet und auf eine Verjüngungskur des Ladens setzt: „Auch wir Alten tragen gerne moderne Sachen.“

Bislang arbeitet Rieten, wie er sagt, noch immer ohne größere Konkurrenz. „Mir sind ein, zwei kleinere Unternehmen bekannt, die entweder nur Elektronik oder nur Textilien vertreiben.“ Ansonsten stecke das Geschäft mit den Senioren noch in den, sozusagen, Kinderschuhen. Andreas Wilhelm

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