Boxen : Keine Dessous vom Schwergewichtler

CLAUS-DIETER STEYER

Boxprofi Axel Schulz eröffnet Textilgeschäft in seiner Heimatstadt Frankfurt und will doch nie verkaufenVON CLAUS-DIETER STEYER FRANKFURT (ODER).Der schwergewichtige Axel Schulz als Verkäufer feinster Dessous aus Samt und Seide hinter dem Ladentisch? Dieses Bild wäre für einige Fotografen und Kamerateams wohl der Haupttreffer gewesen.Doch alles Bitten und Betteln half nichts.Der Weltklasseboxer blieb bei der Eröffnung seines ersten Bekleidungsgeschäftes im Heimatort Frankfurt (Oder) bei schwarzen Basecaps mit dem "Uncle-Sam"-Schriftzug.Die verteilte er nur an die vielen Autogrammjäger. Geschäftsmann der Textilbranche wolle er in nächster Zeit ohnehin nicht werden."Ich hätte sowieso keine Ahnung von den Größen und den Farbkombinationen", sagte der 28jährige in seinem "Axel Schulz Store" im Spitzkrug-Einkaufspark am Rande der Stadt.Ohne Zögern rief er der Medienmeute den Grund seiner Zurückhaltung zu: "Mit Boxen verdiene ich viel mehr Geld als mit so einem Laden.Deshalb bleibt der Sport auch bis auf weiteres meine Nummer 1." Die Anhängerschar, die sich zur Mittagszeit in erstaunlicher Menge vor dem Geschäft einfand, klatschte begeistert Beifall.Vor allem Frauen und junge Mädchen drängelten sich zu ihrem Idol mit Fotoalben, Boxerhandschuhen und -stiefel oder Plakaten durch.Stolz trugen sie nach der erfolgreichen Schlacht im überfüllten Laden den Schriftzug des Boxers an den Wartenden vorbei."Solche Sympathie ist schon sehr angenehm", meinte Schulz."Ich lebe seit 1982 in Frankfurt und kenne die Leute hier.Es ist das erste Mal, daß ich Nutzen aus meinem Bekanntheitsgrad ziehen kann.Ich hoffe, daß viele Kunden in meinen Laden kommen." Nach dem Wegzug von Henry Maske von Frankfurt nach Köln ist Axel Schulz nun der bekannteste Werbeträger für die 80 000 Einwohner zählende Stadt an der polnischen Grenze.Wie sehr die Frankfurter an ihren Idolen hängen, zeigte in den letzten Wochen die heiße Diskussion um Henry Maske im Stadtparlament.Einige Abgeordnete waren so vom Auszug des einstigen Weltmeister enttäuscht, daß sie ihm sogar die Ehrenbürgerschaft aberkennen wollten.Er habe nun einmal seine Heimatstadt sträflich im Stich gelassen.Dieser Antrag wurde allerdings mit großer Mehrheit zurückgewiesen. Bei Axel Schulz besteht vorerst keine Gefahr des Abwanderns.Er baut im Frankfurter Vorort Kliestow ein Eigenheim.Außerdem hat sich auch sein Trainer Manfred Wolke für die Oderstadt festgelegt.Wolke ließ sich die gestrige Geschäftseröffnung nicht entgehen.Lächelnd betrachtete er die Fotos von Kämpfen seines Schützlings an der Wand.Zu jeder Aufnahe falle ihm eine Geschichte ein.Sogar die Miniaturausgabe eines WM-Gürtels hängt an der Wand.Noch ist sie nur ein Souvenir.Doch Axel will die wahrhafte Krone im Schwergewicht."Das Ziel verliere ich nicht aus den Augen.Im Dezember stehe ich wieder im Ring, vielleicht gibt es schon im Frühjahr einen Titelkampf", sagte Schulz. Er nahm die Eröffnungsfeier nicht bitterernst.Es sei ein Versuch zum Ausprobieren, sagte er.Wenn die Sache gut laufe, könne er sich durchaus die Eröffnung weiterer Filialen vorstellen.

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