Boxen : Klaumauk oder Kunst?: Nichtfleißige Biene

obs

Provoziert die Hasenschranke an dieser Stelle nicht? Es ist Freitagabend, das Pflaster im Hof von Kloster Neuzelle glänzt im Regen. Vor dem Barockportal der Klosterkirche stehen Walter Ederer, der Geschäftsführer von Stift Neuzelle, und der Bildhauer Heinrich Brummack, der hier in einer halben Stunde eine Ausstellung eröffnen wird. Der Geschäftsführer diskutiert mit dem Künster, ob die rot-weiß gestreifte, geschlossene Metallschranke, auf deren kurzem Ende ein Hase als Gegengewicht sitzt, nicht die Kirchenbesucher stören könnte. Ja, sie könnte missverstanden werden - etwa als Aufforderung, der Kirche fernzubleiben. Oder noch anders; man weiß ja nie, was die Leute sich so denken. Schließlich hat sich über Brummacks Werke auch schon mancher Kunsthistoriker den Kopf zerbrochen.

Die beiden einigen sich schließlich, die Hasenschranke ein Stück weiter seitlich im Hof des Klosters aufzustellen und gehen plaudernd zum Kloster: Der Geschäftsführer mit dezenter Krawatte und dunklem Anzug, der Künstler mit Hut, karierter Weste und bunter Fliege. Ein ungleiches Paar. Die Mauern in dem langen Kreuzgang sind fleckig, die Ziegel an Fensterrahmen und Gewölben vom Zahn der Zeit angenagt. Auf einem Mauersims steht eine von vier Rundhölzern getragene Kastenbackform mit einer riesigen Biene obendrauf. Es ist das "Portal der nichtfleißigen Biene".

Schräg gegenüber steht ein Sockel auf dem Boden. Ein güldener Hase sitzt darauf und - angelt. An der knallroten Rute baumelt ein großer blauer Fisch. Wieder etwas, worüber die Kunstexperten rätseln können: Klamauk? Hauptsache schön bunt? Ein Symbol? Oder gar mehrere? Und wofür? Im Weiterlaufen schlägt der Künstler dem Geschäftsführer vor, ihm ein dauerhaftes Exemplar der Hasenschranke zu bauen: "Sie müssten nur das Material bezahlen."

Die Chancen für das Projekt dürften gut stehen, denn Ederer hat Kinder. Und die waren völlig aus dem Häuschen beim Anblick der fröhlich bunten Hasen. Der 65-jährige Brummack lebt zwar bei Osnabrück, hat aber eine ganz persönliche Beziehung zu Neuzelle: Seine Großeltern führten von 1890bis 1927 die Klosterbrauerei nebenan. So gehören auch viele alte Familienfotos zur Ausstellung. Sie ist noch bis zum 11. November zu sehen: wochentags von 10 bis 16 Uhr, am Wochenende von 11 bis 16 Uhr.

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