KOMMENTAR : Kuppeln ohne Boden

Ein Kommentar zu Potsdams neuester Pleite - dem lang ersehnten Freizeitbad, entworfen von Brasiliens Stararchitekt Niemeyer.

Sabine Schicketanz

Der Traum ist aus. Der Potsdamer Brauhausberg wird nicht Klein-Brasilien, Oscar Niemeyers Copacabana-Kuppeln werden nicht an die Havel gebaut. Sie sind nicht förderfähig, entschied das Land, und so fehlt der Stadt das Geld für das gewünschte Spaßbad. Die Absage ist Potsdams neueste Pleite, und sie war, leider, absehbar – nahezu von Beginn an. Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) jenen Coup verkündete, der so genial schien: Brasiliens Stararchitekt Niemeyer werde das jahrelang ersehnte Freizeitbad für Potsdam entwerfen. Doch schon kurz darauf rückte der Plan in ein schiefes Licht: Als Niemeyers Entwurf jener spektakulären Kuppel-Landschaft vorgestellt wurde, schien es gleich, als sollte der Preis – 50 Millionen Euro – keine Rolle spielen. Die Neiddebatte im Land war damit programmiert: Während den darbenden Randregionen die Fördergelder genommen wurden, sollten die Potsdamer im Luxus planschen dürfen. Potsdam stand, nicht zum ersten Mal, für überhöhte Ansprüche, unangemessenes Selbstverständnis. Damit galt das Niemeyer-Bad im Grunde von Anfang an als politisch nicht vermittelbar.

Es folgte ein Tod auf Raten. Erst der Einspruch des Finanzministeriums: zu teuer. Dann die Bedenken des Wirtschaftsministers Ulrich Junghanns (CDU), der mehr Solidität und Seriosität, weniger Milchmädchenrechnungen forderte, auf einen Neubeginn, eine Ausschreibung drang. Potsdam besserte nach. Aber es half nichts. Als Touristenmagnet würde das Bad nicht taugen, erkannte das Wirtschaftsministerium. Also gab es dafür auch keine Förderung.

Nach den jüngsten Aufdeckungen von erheblichem Pfusch im Potsdamer Bauamt bedeutet das Ende der Niemeyer- Träume schon wieder eine schwere Pleite für die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Jakobs. Und die PDS, die immer auf Mängel beim Niemeyer-Bad hingewiesen hat, darf sich einmal mehr bestätigt fühlen. Deren Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg hat das Gelände am Brauhausberg, wo nun kein Spaßbad hinkommt, bereits getauft: „Jakobs-Brache“. Im nächsten Jahr sind Kommunalwahlen. Jakobs bräuchte dringend mal wieder einen Erfolg. Doch wenn man erst auf der Abwärtsspirale ist …

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