Kommentar : Potsdam: Ein Hoch aufs Schloss

Potsdam und sein Stadtschloss – das ist eine unendliche Geschichte, voller Irrungen und Wirrungen und aufgeregter Endlos-Debatten. Kommt jetzt, da die Jury sich für den historischen Aufbau entschieden hat, das Happy End?

Thorsten Metzner

Potsdam und sein Stadtschloss – das ist eine unendliche Geschichte, voller Irrungen und Wirrungen und aufgeregter Endlos-Debatten. Kommt jetzt, da die Jury sich für den historischen Aufbau entschieden hat, das Happy End? Manchmal hilft eine Rückblende: Noch vor zehn Jahren schien das Knobelsdorff-Schloss, ohne das die vom Alten Markt aus komponierte Stadtanlage eben nicht als Welterbe-Gesamtkunstwerk wirken kann, unwiederbringlich verloren. Wie haben sich alle schwergetan!

Der Landtag, der sich auf dem Brauhausberg verkroch, die Denkmalpfleger, die ein „Disneyland“ fürchteten, die Linken sowieso. Erst 2005 rang sich das Parlament zum Schloss-Landtag durch, dem das Rathaus – schon vergessen? – erst im dritten Anlauf zustimmte. Was für ein Drama! Umso deutlicher aber zeigt sich nun, welchen Sprung Land und Stadt seither machten: Auf dem Alten Markt wird schon 2012 das Schloss wieder stehen. Schneller als die Berliner mit ihrem Wahrzeichen, wer hätte das gedacht. Das bleibt ein Glücksfall, für das geschundene Stadtbild, aber auch für den inneren Frieden. Ist es nicht so, dass das alte, neue Schloss, das lange spaltete, mittlerweile versöhnt? Menschen zusammenführt, Engagement selbst bei früheren Skeptikern weckt? Wetten, dass selbst die Linken ihren Frieden damit schließen?

Ach ja, da ist in Potsdam auch jetzt wieder eine bekannte Begleitmusik zu hören, in der Stadt, die im Streit zwischen Bewahren und Verändern zu Maßlosigkeit neigt: Der Hof wird ein paar Meter kleiner, weil für ein lebendiges Parlament gebaut wird. Verrat am Schloss, ein Skandal? Ach was. Das ist, Pardon, Puristen-Gebrabbel. Knobelsdorff, gepriesen sei der große Meister, würde es verzeihen.

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