Kommentar : Vergessene Helfer

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Regen! Wir brauchen Regen!“ Noch vor drei Wochen wünschten sich die Feuerwehren im Süden Brandenburgs nichts sehnlicher als kräftige Niederschläge. Waldbrände und in Flammen stehende Getreidefelder hielten sie in Atem. Heute schicken sie gegenteilige Stoßgebete gen Himmel: „Sonne! Wir brauchen Sonne!“ Der Dauereinsatz in den Hochwassergebieten von Neiße und Lausitz zehrt an ihren Kräften, und ein Ende ist nach den kräftigen Niederschlägen am Wochenende nicht abzusehen. Erneut müssen Bäume, Äste und anderes Treibgut aus den Flüssen geholt werden, um eine Blockade vor Schleusen und damit Überschwemmungen zu verhindern.

Dabei liegt bei vielen Wehren der letzte Hochwassereinsatz erst wenige Wochen zurück. Im Mai und Juni kämpften sie entlang der Oder gegen eine mächtige Flut – wieder einmal erfolgreich, wie man weiß. Trotz ihres Engagements kommen die Feuerwehrleute in den Brandenburger Katastrophenbilanzen viel zu kurz. Da klopfen sich vor allem Deichgrafen, Bürgermeister und hauptamtliche Krisenstäbe heftig auf die Schultern, während die Schlosser, Bäcker, Landwirte, Kraftfahrer, Elektroniker oder Sekretärinnen ganz zu Unrecht in den Hintergrund treten. Doch diesen und vielen anderen Berufen gehen die Frauen und Männer der freiwilligen Feuerwehren nach. Sie müssen bei ihren Arbeitgebern um eine Freistellung nachfragen und erhalten für ihre oft 12- bis 16-stündigen Einsätze keinen Cent zusätzlich. Dabei sind sie die einzigen Ehrenamtlichen, die bei ihrem Dienst ihr eigenes Leben riskieren.

Fragt man nach den Motiven, kommen viele Antworten: Selbstverständliche Hilfe, Gemeinschaftssinn oder Zufriedenheit nach erfolgreichen Einsätzen. Ein Satz aber steht meistens ganz vorn, auch wenn er etwas pathetisch klingt: Es sei ihre Heimat, die sie schützen wollten. Da die extremen Wetterkapriolen und auch die schweren Unfälle mit Sicherheit zunehmen werden, bleiben die freiwilligen Feuerwehren auch künftig unverzichtbar.

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