Boxen : Krisenstimmung an der Oder

Zwei bei Schwedt gefundene Tiere trugen das H5N1-Virus in sich. Jetzt wird im Umkreis von zehn Kilometern das Geflügel untersucht

Sandra Dassler

Schwedt - Gestern Vormittag gegen 10 Uhr traf die Nachricht bei Agrarstaatssekretär Dietmar Schulze ein: Die Vogelgrippe hat Brandenburg erreicht. Das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems wies in einem Höckerschwan und in einer Wildente das auch für den Menschen gefährliche Virus H5N1 nach.

Die Nachricht überraschte den in Schwedt wohnenden Staatssekretär ebenso wenig wie der Umstand, dass die beiden Tiere fast vor seiner Haustür gefunden wurden. Schließlich befindet sich in unmittelbarer Nähe von Schwedt der Nationalpark Unteres Odertal. Er gehört zu den größten Rast- und Durchzugsgebieten von Wildvögeln in Deutschland.

In der Nähe der Stadt waren am vergangenen Mittwoch an verschiedenen Orten insgesamt zehn tote Tiere gefunden und im Landeslabor in Frankfurt (Oder) untersucht worden. Zwei verdächtige Befunde erwiesen sich dann bei der Kontrolle im Friedrich-Löffler-Institut als positiv. Ob Schwan und Ente mit der aggressiven asiatischen Variante von H5N1 infiziert waren, können die Forscher erst in den nächsten Tagen sagen.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Befundes trat der Krisenstab des betroffenen Landkreises Uckermark unter Leitung von Landrat Klemens Schmitz (SPD) zusammen. Der Fundort der infizierten Tiere darf nicht betreten werden, die Polizei riegelte das Gebiet ab. Der Umkreis von drei Kilometern wurde zum Sperrbezirk erklärt. Es ist in diesem Bereich nicht mehr erlaubt, Geflügel zu schlachten oder zu vermarkten. Besucher müssen mit Kontrollen rechnen, die etwa 20 Geflügelbetriebe erhalten Seuchenmatten.

Der Umkreis von zehn Kilometern gilt als so genannter Beobachtungsbezirk. Dort werden alle Geflügelbestände, auch die von privaten Nutzern, überprüft . Vorsorgliche Tötungen von Nutzgeflügel schloss Staatssekretär Schulze gestern jedoch aus: „Im betroffenen Gebiet befindet sich kein größerer Betrieb, es gibt aber in den im Beobachtungsbezirk liegenden vier Dörfern viele kleine Geflügelhalter. Wenn wir bei den Tupfer- und Blutproben keine positiven Befunde feststellen, müssen die Tiere auch nicht getötet werden.“ Weil die infizierte Ente auf dem Gebiet der PCK-Raffinerie gefunden wurde, wurden an den Zufahrten des ohnehin gesicherten Betriebsgeländes bereits Seuchenmatten ausgelegt.

Da der Fundort der infizierten Tiere in Grenznähe liegt, wurden gestern auch die polnischen Behörden informiert. Ein Teil des Beobachtungsgebietes befindet sich auf ihrem Territorium. „Wir gehen davon aus, dass unser Nachbarland als EU-Mitglied alle notwendigen Maßnahmen ergreift“, sagte Staatssekretär Schulze, der noch am Freitag die „problematische Informationspolitik“ Polens in Sachen Vogelgrippe kritisiert hatte. Auf der polnischen Oderseite gibt es ebenfalls Geflügelfarmen und private Halter, die nun kontrolliert werden müssten. Heute hat der Krisenstab zu einer Pressekonferenz eingeladen. Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der die Brandenburger zu Ruhe und Besonnenheit aufrief , hat sein Kommen angekündigt.

Gestern wurden die Oderauen besonders gründlich abgesucht und ein weiterer toter Höckerschwan entdeckt. Woran das Tier verendete, wird man erst in einigen Tagen wissen. Die Verantwortlichen im Nationalpark „Unteres Odertal“ zeigten sich jedenfalls erleichtert, dass sie die für dieses Wochenende geplanten Singschwantage abgesagt hatten. „Es war eine weise Entscheidung “, sagte der Leiter des Nationalparks Dirk Treichel: „Ein ungetrübtes Vergnügen hätte heute wohl keiner der Touristen gehabt.“

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