Boxen : Kühltürme - das neue Wahrzeichen der Lausitz

CLAUS-DIETER STEYER

SCHWARZE PUMPE.Das modernste Braunkohlekraftwerk der Welt ist am Mittwoch in Schwarze Pumpe offiziell ans Netz gegangen.Das für 4,5 Milliarden DM errichtete Kraftwerk des ostdeutschen Energiekonzerns Veag im Süden Brandenburgs ist eine der größten privaten Investitionen in den neuen Ländern.Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bezeichnete die Inbetriebnahme als einen wichtigen Abschnitt beim Aufbau einer hochmodernen Energiewirtschaft in Ostdeutschland.Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) nannte die Grundsteinlegung vor viereinhalb Jahren eine Grundsatzentscheidung für die Lausitzer Braunkohle.Der Vorstandsvorsitzende der Vereinigte Energiewerke AG, Jürgen Stotz, beklagte verschlechterte Bedingungen für eine stabile Braunkohleverstromung.Die bis 2003 vorgesehene Übergangsfrist für die Braunkohleschutzklausel sei zu kurz.

Im Lausitzer Kohle- und Energierevier gibt es außer einer schweren Strukturkrise auch hoffnungsvolle Zeichen.Davon konnten sich Helmut Kohl und Manfred Stolpe gestern bei der Inbetriebnahme des Braunkohlekraftwerks Schwarze Pumpe überzeugen.Mit diesem 1600-Megawatt-Kraftwerk hat das ostdeutsche überregionale Stromunternehmen Veag Vereinigte Energiewerke AG Berlin nach eigenen Angaben die modernste Anlage der Welt gebaut.Als für den Bau vor viereinhalb Jahren der Grundstein gelegt wurde, konnte man nur die gewaltigen Dimensionen dieser Anlage ahnen.Inzwischen gilt das über 160 Meter hohe Kraftwerk mit seinen zwei Kühltürmen im Revier als Wahrzeichen einer neuen Zeit.

Der Energieerzeuger liefert Strom ans Veag-Verbundnetz sowie Fernwärme für die Orte Schwarze Pumpe und Spremberg (beide Brandenburg) sowie Hoyerswerda (Sachsen).Außerdem gehen Dampf und Wärme an die Brikettfabrik Schwarze Pumpe der Lausitzer Braunkohle AG und an eine Ziegelei.Alte Stromerzeuger wurden stillgelegt.

Über ein Teilzeitmodell gibt die Veag in dem neuen Kraftwerk 317 Menschen direkt Lohn und Brot und sichert im Umfeld weitere hunderte Arbeitsplätze in einer Region, die seit 1990 drastische Einbrüche erlebte.In der Lausitz, die den Süden Brandenburgs und den Osten Sachsens umfaßt, ist jeder Vierte arbeitslos.Von den 75 000 Arbeitsplätzen zu DDR-Zeiten in der Lausitzer Kohle und Energie blieb nur noch etwa ein Viertel übrig, darunter zahlreiche Beschäftige, die Bergbaualtlasten beseitigen.

Schornsteine sucht man in Schwarze Pumpe vergebens, die Rauchgase entweichen durch die Kühltürme in die Atmosphäre.Zuvor werden sie von Staub und Schwefeldioxid gereinigt, wobei die gesetzlichen Grenzwerte unterschritten werden.Bei voller Leistung werden in Schwarze Pumpe täglich 36 000 Tonnen Braunkohle aus dem benachbarten Tagebau Welzow gebraucht.Der Kohlebedarf liegt ein Drittel niedriger als bei älteren Anlagen an dem Standort.Dadurch wird auch ein Drittel weniger Kohlendioxid in die Luft abgegeben.Durch die Kraft-Wärme-Kopplung kann der Brennstoff zu 55 Prozent in andere Energien umgewandelt werden, das ist ein Spitzenwert bei Braunkohlekraftwerken.Der Industrieriese von Schwarze Pumpe gehört zu dem Investitionspaket von 20 Milliarden Mark, mit dem die Veag ihre Leitungsnetze und Kraftwerke bis 2005 modernisiert.Seit 1990 wurden davon bereits 13 Milliarden DM investiert.PETER JÄHNEL (DPA)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben