Boxen : Künast zu Gast bei den Bauern: Statt Tomaten gab’s Applaus

Claus-Dieter Steyer

Paaren/Glien - Keine Gentomaten, keine Eier von Käfighühnern, keine Ohrfeigen, keine Farbbeutel, ja nicht einmal Zwischenrufe – Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) brauchte sich vor den Brandenburger Bauern gestern nicht zu fürchten. Deren Versammlung mit mehr als 1000 Teilnehmern aus dem ganzen Land in Paaren/Glien verlief friedlich und ruhig. Dabei hätten die Landwirte durchaus Grund, lautstark auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Doch sie zeigten wenig Lust auf Politikerreden und stürzten sich lieber ins Getümmel der zum 14. Mal stattfindenden Brandenburger Landwirtschaftsausstellung (BraLa), die noch bis Sonntag dauert.

Auf den Versammlungen der vergangenen Jahre war von Zurückhaltung nichts zu spüren gewesen. Da wurde die Landwirtschaft schon mal symbolisch zu Grabe getragen, der Berufsnachwuchs stimmte traurige Lieder an, Protestplakate prägten das Bild. Doch nun haben die Bauern offenbar erkannt, dass nur Steuergelder ihre weitere Existenz sichern können. Und weil diese auch im Agrarsektor immer knapper werden, haben sich die Bauern zum Schulterschluss mit der jeweiligen Regierung entschieden. Ausgerechnet die einst so heftig kritisierte Ministerin Künast erhielt deshalb den meisten Beifall für ihre Rede.

Allerdings versprach sie nur wenig Hilfe. „Den Milchpreis in den Läden kann ich nicht festlegen“, sagte Künast. Durch riesige Überproduktion hätten die Bauern selbst zum Preisverfall beigetragen. Mit Hinweis auf die hohen Spritpreise machte die Ministerin den Bauern Mut, sich als Energie-Wirte zu versuchen: Rapsöl und Bio-Diesel besäßen großes Potenzial. Auch die Auto-Industrie wolle verstärkt auf Agrar-Produkte zurückgreifen, um ihre Fahrzeuge um bis zu 30 Prozent leichter und somit spritsparender zu machen. Teile aus gepressten Pflanzen oder Wolle von Schafen zur Dämmung und für die Verkleidung von Türen sind schon heute gebräuchlich.

Auf Stimmenfang begab sich Brandenburgs Agrarminister Wolfgang Birthler (SPD). Er sicherte den Bauern zu, neue Naturschutzgebiete nur dann zuzulassen, wenn die Landwirte für die Einschränkungen einen finanziellen Ausgleich erhalten. „Naturschutz ist kein Selbstzweck“, rief er in zufriedene Bauerngesichter.

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