Kummersdorf : Des Kaisers Bombodrom

Ehemaliges Heeresversuchgelände bei Sperenberg soll zum Museumsdorf werden

Claus-Dieter Steyer

Kummersdorf-Gut - Reichswehr und Wehrmacht erprobten hier das Kriegshandwerk: Bisher wussten nur wenige Fachleute, was sich auf dem mehr als 3000 Hektar großen Areal, 40 Kilometer südlich Berlins, zwischen 1870 und 1945 wirklich ereignet hat. Die „Heeresversuchsstelle“ diente den Militärs dazu, alle möglichen Kriegsgeräte, angefangen von Schuhen bis zu Lastwagen, großen Kanonen, Brücken und Raketenmotoren, zu entwickeln und zu testen. Rund 2000 Menschen arbeiteten hier. Sie fuhren Panzer in einer auf minus 30 Grad Celsius herunter gekühlten Halle, hämmerten Krupps Erste-Weltkriegs-Kanone „Dicke Berta“ bis zu 16 Meter in den märkischen Sand, forschten an der Beherrschung der Kernspaltung und testeten Motoren für Raketen, die später in der berüchtigten Vergeltungswaffe „V 2“ eingesetzt wurden. Jetzt soll das Gelände bei Sperenberg, das lange Zeit als Reservefläche für den Großflughafen Berlin-Brandenburg blockiert war, in einen großen Museumspark umgewandelt werden.

„Der Wahnsinn der Kriegsmaschinerie kann hier eindrucksvoll dokumentiert werden“, sagte Hans-Martin Schnitter von Förderverein „Kummersdorf-Gut“ am Rande einer Konferenz mit Denkmalpflegern, Kommunalpolitikern und Architekten. „Wir können den Besuchern monströse Überreste von Versuchsanlagen, Laboren, Kasernen und Teststrecken zeigen.“ Meterdicker Beton habe beispielsweise die Versuchsstellen für den Raketenantrieb und die Entwicklung nuklearer Waffen geschützt. Heute zieren die Mauern noch die Zeilen mit Ortsnamen wie Jaroslawl, Woronesh, Leningrad und Moskau – Hinterlassenschaften der russischen Soldaten, die hier ein riesiges Munitionslager hüteten, bis sie 1994 abzogen.

„Vielleicht gelingt uns ein ähnliches Museumskonzept wie in Peenemünde auf der Insel Usedom“, meinte der zuständige Bürgermeister Frank Broshog (CDU). „Das Potenzial dafür hat das Gelände, zumal in Kombination mit anderen Orten in der Umgebung.“ Die Verbindung zu den berüchtigten Abschussstationen der „V 2“ in Peenemünde ist durchaus gegeben. 1922 war in Kummersdorf mit den ersten Raketenversuchen begonnen worden. Der Physiker Wernher von Braun, der den Nazis am Ende des Krieges die „Wunderwaffe“ versprochen hatte, nahm 1932 die Forschung in Kummersdorf auf. Mitte der 1930er Jahre wechselte sein Team aus Platzmangel an die Ostsee.

„Heute kommen Interessierte aus dem In- und Ausland zu uns, um die sogenannte Wiege der Raumfahrt in Kummersdorf zu besichtigen“, bestätigte Ralf Kaim vom Förderverein. Der Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, hat bereits Interesse für eine Abgabe der ehemaligen Versuchsstelle an einen Museumsverein signalisiert. Jetzt beginnt aber erst die Werbung um finanzielle Mittel. Claus-Dieter Steyer

Jeden Sonntag öffnet von 13 bis 17 Uhr eine kleine Ausstellung in der Konsumstraße. Hier beginnen auch Führungen, Tel. 033703/770 48, Infos im Internet: www.museum-kummersdorf.de.

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