Boxen : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Politik ist nicht nur, was Kabinett und Parlament beschließen, sondern auch, was auf den Fluren geflüstert wird. Jeden Sonntag bringt der Tagesspiegel deshalb einen Blick hinter die Kulissen von Brandenburg.

Nicht nur die Streifenwagen der Brandenburger Polizei waren lange Zeit schrottreif, sondern auch die gepanzerten Limousinen, in denen Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bis letzte Woche mit seinen Bodyguards durchs Land kurvte. Schon sein Vorgänger Alwin Ziel benutzte sie. Die TachoStände der Mercedes-Karossen zeigten zuletzt stolze 500 000 beziehungsweise gar 700 000 Kilometer an. Der Rost nagte. Kein Wunder, dass Schönbohm mehrmals liegen blieb, einmal mitten in einem Interview auf der Autobahn. Obwohl Schönbohm genervt war, hatte er Ersatz für die Rostlauben lange Zeit abgelehnt. Zunächst sollte der Polizei-Fuhrpark erneuert werden. Seit einigen Tagen muss sich Schönbohm vor Dienstreisen nicht mehr sorgen: für ihn und seine Bodyguards wurden zwei funkelnagelneue Limousinen geleast.

Das Cabrio von Justizministerin Barbara Richstein (CDU) hingegen verstaubt derzeit in der Garage – und das nicht nur, weil sie so viel im Land mit dem Dienstwagen unterwegs ist. Die 33-Jährige musste ihren Führerschein für vier Wochen abgeben, weil sie im schönen Havelland mit Tempo 120 geblitzt wurde - und nur 80 erlaubt waren. Allerdings hat Richstein die Sünde, wie sie zerknirscht betont, vor ihrer Ernennung zur Ministerin begangen. „Eine dumme Sache, aus der ich die Konsequenz gezogen habe." Die Marathonläuferin und Fallschirmspringerin, die auch eine Geldstrafe zahlen musste, will nun ihr Temperament mehr zügeln.

Viele wüssten gern, welche Geheimnisse der Laptop von Staatskanzlei-Chef Rainer Speer birgt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Strippenzieher auf dem Gerät seine Konzepte und Strategien entwickelt. Er selbst hat nie verhehlt, dass auf dem Laptop auch der Plan zur Ablösung von Manfred Stolpe durch Matthias Platzeck entworfen wurde. Der tragbare Computer ist sein zweites Gedächtnis. Allerdings speichert Speer dort nicht nur Staatsgeheimnisse, sondern auch Fotos seiner Touren - ob durchs Eismeer oder durch die Uckermark. Als er sie jüngst auf der Geburtstagsfeier von Sozialminister Günter Baaske vom Computer auf eine Leinwand übertragen wollte, erschienen plötzlich interessante Dateinamen: „Regierungserklärung 1", „Regierungserklärung 2" , „Kurzfassung". Das Echo der Gesellschaft war einhellig: „Anklicken, Anklicken". Doch Speer blieb hart - noch sind die Entwürfe der ersten Regierungserklärung Platzecks „geheime Kommandosache".

Matthias Platzeck, der ein Milliardenhaushaltsloch schließen und in seiner Regierungserklärung Unpopuläres verkünden kann, tankt unterdessen noch einmal Kraft: Mit seiner Freundin Jeanette Jesorka ist er am Reformationstag für eine Woche in die Sonne geflogen, auf eine Kanareninsel. Beim Landespresseball am vorigen Wochenende hatte das verliebte Paar noch den Eröffnungswalzer getanzt. Jeanette Jesorka arbeitet im Oberbürgermeisterbüro des Potsdamer Rathauses, wo sich die beiden kennen gelernt hatten. Am Abend der spannenden Oberbürgermeisterwahl leistete sie Platzeck Hilfsdienste: Sie harrte im Plenarsaal aus, wo auf einer Videoleinwand die Ergebnisse bekannt gemacht wurden. ma/thm.

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