Boxen : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Die nächste HandyRechnung von CDU- Kulturministerin Johanna Wanka wird ziemlich happig sein: Von den Kanaren, wo sie Urlaub macht, versuchte Wanka letzte Woche in der Koalitionskrise zu schlichten. Seit Mittwoch habe sie „pausenlos telefoniert“: mal mit CDU-, mal mit SPD-Politikern – und sehr zum Unwillen ihrer Familie. Auch über den Beschluss des SPD-Landesausschusses von Freitagabend über die Fortführung der Koalition ließ sie sich sofort berichten. Nur einen hatte Wanka vergeblich versucht zu erreichen: Staatskanzleichef Rainer Speer. Der trainiert derzeit ganz privat mit den Kanuten des Olympischen Sportklubs Potsdam – er ist Vereinspräsident – in Florida, als ob ihn die heimische Koalitionskrise nichts anginge. Allerdings rief er jeden morgen den Pressespiegel der Landesregierung ab und telefonierte täglich mit Platzeck.

In Windeseile sprach sich am Freitag in Potsdam herum, dass der PDS-Politiker Hans Modrow in der Staatskanzlei gesichtet wurde und ein längeres Gespräch mit Matthias Platzeck führte. Sofort wurde gemutmaßt, dass Platzeck Geheimverhandlungen mit der PDS über eine rot-rote Koalition führe und der Bruch der großen Koalition unmittelbar bevorstehe. Tatsächlich kam Modrow als Emissär zu Platzeck – allerdings nicht im Auftrag der Brandenburger PDS. Platzeck will die Wirtschaftsbeziehungen Brandenburgs mit Russland ausbauen, Modrow hatte dort die Möglichkeiten sondiert. Der SPD-Ministerpräsident und der Ex-DDR-Regierungschef pflegen freundschaftliche Beziehungen, sehen sich auch privat. Keine Frage, dass Modrow am Rande auch für die rot-rote Koalition geworben hat.

Als Emissär reist auch der ehemalige Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) um die Welt, der über einen Millionenkredit eines Scheichs aus den Vereinigten Emiraten gestürzt war – weil die Scheichs die Chipfabrik in Frankfurt an der Oder mitfinanzieren und sich im Gegenzug eine eigene bauen lassen wollen. Letzten Mittwoch wurde er in einem Hotel in Dubai erwartet. Doch der Ex-Minister, der immer noch in Potsdam wohnt und CDU-Kreischef in der Stadt Brandenburg ist, kam nicht. Stattdessen meldete sich Fürniß, der früher in den Diensten von SAP stand, aus Singapur. In Potsdam wurde gerätselt, in wessen Auftrag Fürniß unterwegs ist. „In unserem nicht“, hieß es in der Landesregierung: Vielleicht sei er jetzt ja der Emissär jenes Scheichs, der ihm die dubiose Million Dollar überwiesen hatte. ma/thm

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