Boxen : Kurzmeldungen

Michael Mara

UNTERM ADLER

Im Kabinett spricht man von einem Fauxpas des Innenministers Jörg Schönbohm (CDU): Bei der letzten Kabinettsitzung moserte Agrarminister Wolfgang Birthler (SPD), ob die feierliche Vereidigung von Polizeianwärtern in Zeiten knapper Kassen noch Sinn mache. Schönbohm regte das so auf, dass er in einem Schreiben sein Unverständnis äußerte. Es war allerdings nicht an Birthler, sondern an Bauminister Hartmut Meyer (SPD) gerichtet – obwohl der sich an der Debatte gar nicht beteiligt hatte. Besonders verwundert, rügte Schönbohm Meyer, „hat mich Ihr Engagement vor allem deshalb, weil ich Ihrem aktuellen Terminplan entnehme, dass sie eine Vielzahl feierlicher Übergaben von diversen Ortsumgehungen und anderer feierlicher Anlässe haben, die … Ihre Intervention Steinwürfen im Glashaus bedrohlich nahe kommen lässt“. „Peinlich“ und „stillos“, kommentierten Minister, zumal Schönbohm den Brief samt Meyers Terminplan an Regierungschef Platzeck schickte.

Dass Schnellschüsse leicht daneben gehen können, musste jetzt auch SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness feststellen: Auf einer Pressekonferenz zu den Kommunalwahlen im Herbst kündigte er als Highlight an, dass Nordrhein-Westfalens Ex-Innenminister Herbert Schnoor, der seinen Lebensabend in Werder bei Potsdam verbringt, für das dortige Gemeindeparlament kandidieren werde. Werder ist traditionell eine CDU-Hochburg und der SPD schon lange ein Dorn im Auge. Der prominente Schnoor wird von der SPD-Zentrale wohl als eine Art „Geheimwaffe“ angesehen, um die „schwarze Festung“ vor den Toren des „roten Potsdam“ aufzubrechen. Pech nur, dass Schnoor als Sozialdemokrat der alten Schule auf Distanz zu dem geplanten Coup ging: Der Ortsverein müsse erst beraten, die Kandidaten würden im August aufgestellt. Man werde sehen, was herauskomme. Nicht ins Gewicht fällt da, dass Ness den 76-jährigen Pensionär als 67-Jährigen „verkaufte“: „Er wirkt eben viel jünger“, so der SPD-Landesgeschäftsführer.

Die einen kommen, die anderen gehen: Ex-Fusions-Minister Jürgen Linde, einer der wichtigsten NRW-Aufbauhelfer in Brandenburg und langjähriger Chef der Potsdamer Staatskanzlei von Ministerpräsident Manfred Stolpe, gibt den Vorsitz im deutschen und brandenburgischen Tourismusverband überraschend ab. Der Vorstand des Brandenburger Verbandes will bereits am 21. Juli dieses Jahres einen Nachfolger benennen, am 25. Juli soll Linde auf einer außerordentlichen Verbandssitzung verabschiedet werden. Der Grund für die Eile: Der 68-Jährige will sich einen Lebenstraum erfüllen und in Kürze mit einer Gruppe Gleichgesinnter per Wohnmobil zu einer halbjährigen Tour quer durch Europa und Asien nach Singapur aufbrechen. Nach Lindes Nachfolger befragt, tut Brandenburgs Tourismusverband sehr geheimnisvoll. Womöglich, weil SPD-Fraktionschef Gunter Fritsch ein möglicher Nachfolger sein soll?

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