Boxen : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Christdemokraten beobachten es misstrauisch, Sozialdemokraten geben sich intern erleichtert: Die PDS hält sich im Kommunalwahlkampf auffallend zurück, obwohl sie genügend Munition für Attacken auch auf die SPD und die von ihr geführte Landesregierung hätte. Selbst die Enthüllung, dass das Gesetz über die zwangsweise Neugliederung von 18 Gemeinden des Amtes Neuhausen in der Lausitz wegen versäumter Bürgeranhörungen verfassungswidrig zustande gekommen ist, konnte die PDS erst nach fünf Tagen hinterm Ofen hervorlocken. Zu einer laschen Erklärung. Kein Wunder, dass sich hartnäckig das Gerücht hält, es existiere eine geheime Absprache zwischen PDSLandeschef Ralf Christoffers und SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck, wonach die Sozialisten die Sozialdemokraten im Wahlkampf schonen. Beide Parteien hätten ein gemeinsames Interesse, zu verhindern, dass die Union dank des Bundestrends Wahlsieger wird.

In Teilen der Union wächst offenbar die Unzufriedenheit mit Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns. So ist zu hören, dass CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm nicht mehr so gut mit Junghanns kann wie früher. „Es ist zu einer gewissen Abkühlung gekommen“, konstatiert ein maßgeblicher Christdemokrat. Angeblich soll Schönbohm misstrauisch beobachten, wie eng das Verhältnis zwischen Junghanns und Ministerpräsident Matthias Platzeck ist. Doch sind führende Christdemokraten auch mit der Arbeit von Junghanns, vor allem seiner Außenwirkung, nicht sonderlich zufrieden. Seine Sprache sei „oft unverständlich“ und in den Medien komme er nicht vor, wird kritisiert. Für die Fraktion habe er kein „Feeling“. Die Wirtschaftspolitik des Landes und der CDU habe, seit er Wirtschaftsminister sei, „kein Gesicht“. Auch die Versuche von Junghanns zur Rettung der Chipfabrik in Frankfurt (Oder) seien nicht überzeugend.

Der neue Bau- und Verkehrsminister Frank Szymanski (SPD) ist da in einer sehr viel komfortableren Situation. Erst vor zehn Tagen im Landtag vereidigt, kann er am laufenden Band Gutes tun: Der 47-Jährige reist viel durchs Land und verteilt die begehrten Fördermittelbescheide. Eine gezielte Strategie, die es ihm erleichtert, schnell im Land bekannt zu werden und Punkte zu sammeln. Aus dem Ministerium, das dem früheren Bildungs-Staatssekretär und Lehrer zunächst ziemlich skeptisch gegenüber stand, ist viel Positives zu hören: Szymanski sei fleißig und arbeite sich gründlich ein. Der Autor von rund 40 Romanen und Bühnenstücken gilt als Meister der Beobachtung und der Psychologie. In Dienstberatungen bringe er die Dinge schnell auf den Punkt. Mit Skepsis wird aber eine gewisse Neigung des Cottbusers beobachtet, sich besonders um die heimatliche Lausitz zu kümmern, die sich vernachlässigt fühlt. Deshalb wollen Ministerielle Szymanski jetzt vorrechnen, dass die Lausitz in den vergangenen 13 Jahren mehr Fördermittel als andere Regionen bekommen habe.ma/thm

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