Boxen : Kurzmeldungen

Michael Mara

UNTERM ADLER

Zwar wird erst in neun Monaten ein neuer Landtag gewählt, doch in den Ministerien stellt man sich schon auf die Zeit danach ein: So plant der neue Bau- und Verkehrsminister Frank Szymanski (SPD) interne „Umstrukturierungen“, um „auch nach der Landtagswahl als zentrales Zukunftsministerium die wichtigen Aufgaben für das Land Brandenburg meistern zu können“. Justizministerin Barbara Richstein (CDU) würde zum Jugendstrafrecht und Jugendvollzug als neue Aufgabe auch die bislang bei Bildungs- und Innenressort angesiedelte Prävention übernehmen. Offenbar rechnen beide damit, dass sie im Amt bleiben – und die große Koalition fortgesetzt wird.

Ebenfalls wegen der Landtagswahl belauern sich SPD und PDS in Potsdam: Die SPD will sich nicht festlegen, in welchem der beiden Wahlkreise Ministerpräsident Matthias Platzeck kandidieren wird. „Wir haben damit keine Eile“, so der Potsdamer SPD-Chef Rainer Speer. Auch die PDS hält sich bedeckt, wo ihr Spitzenmann Hans-Jürgen Scharfenberg antreten soll, der 2002 beinahe die Wahl zum Oberbürgermeister gewonnen hatte: in der Innenstadt oder den Neubaugebieten. Man wolle, so ein SPD-Stratege, den Sympathieträger Platzeck auf jeden Fall gegen Scharfenberg in den Ring schicken, um zu verhindern, dass der einen Wahlkreis gewinnt. „Wir müssen erst wissen, was die PDS macht.“ PDS-Bundes- und Landtagsfraktionschef Lothar Bisky hat aber intern bereits die Linie ausgegeben, dass Scharfenberg in seinem einstigen Wahlkreis 25 antreten und dieser „bei der PDS bleiben muss“.

Wenn es darum geht, seine vielen Ämter und seine persönlichen Hobbys unter einen Hut zu bringen, ist Jörg Schönbohm ein Zeitkünstler. Obwohl er als stellvertretender Ministerpräsident, Innenminister, CDU-Landeschef und Präsidiumsmitglied seiner Partei voll gefordert ist, schafft er es, sich um seine Großfamilie zu kümmern, regelmäßig ins Konzert zu gehen und ein gutes Buch zu lesen. Rund ein Dutzend Familienmitglieder, Kinder und Enkelkinder, bevölkerten zum Jahreswechsel sein Haus in Kleinmachnow. Schönbohm nahm sich trotzdem die Zeit zur Lektüre: „Die Kultur der Niederlage“ von Wolfgang Schivelbusch. Nein, nicht um sich auf den Ausgang der Landtagswahlen in neun Monaten vorzubereiten, weist Schönbohm jeden Verdacht sofort zurück. Er sei da optimistisch. Vielmehr wolle er seinen Horizont erweitern: In dem Buch geht es darum, wie Länder mit großen Niederlagen fertig wurden. Sie seien für die politische Kultur eines Volkes vielleicht prägender als Siege.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben