Boxen : Kurzmeldungen

Michael Mara Thorsten Metzner

UNTERM ADLER

Es ist ein Wettlauf wie zwischen Hase und Igel, den sich Matthias Platzeck und Jörg Schönbohm derzeit liefern. Nur – wer ist der Hase und wer Igel? Schönbohm tauche überall dort auf, wo der Ministerpräsident auftrete, hieß es jetzt im Umfeld des Regierungschefs säuerlich: „Das ist seine neue Taktik“. So sei Schönbohm jüngst zur Überraschung Platzecks auf einer Tagung des Städte- und Gemeindebunds in Potsdam erschienen, just, als Platzeck dort auftrat. Vorige Woche hatte Schönbohm kurz nach Platzeck die Uckermark besucht. Das jüngste Beispiel: Schönbohm fuhr am Freitag demonstrativ zum Europafest in Frankfurt (Oder). „Das wollte die Staatskanzlei offenbar nicht“, hieß es im CDU-Kreisen. Im Übrigen mache es Platzeck nicht anders. So habe sich der Regierungschef jüngst zum Baumblütenfest in Werder, wo Schönbohm einen offiziellen Termin hatte, „selbst eingeladen“.

Nicht nur in der Koalition, auch bei der Opposition wirft der Landtagswahlkampf seine Schatten voraus: So hat die „Gegnerbeobachtung“ der SPD das neue Buch „Mein Brandenburg“ der PDS-Spitzenkandidatin Dagmar Enkelmann unter die Lupe genommen: „Die Idee ist im Grunde nicht schlecht“, heißt es in einem SPD-Papier. Das Buch solle die Inhalte des PDS-Programms „popularisieren und personalisieren“. Dennoch operiere das Werk streckenweise „hart an der Grenze zur Peinlichkeit, etwa in den Passagen über Matthias Platzeck“. Eine Kostprobe: „Wir duzen uns und umarmen uns gelegentlich. Wir sind eben beide körperbetonte Menschen“, schreibt die frühere Miss Bundestag über den Regierungschef, den sie noch aus Volkskammerzeiten kennt. Als Ministerpräsident sei Platzeck aber „oft eine Enttäuschung auf der ganzen Linie“.

Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) platzte der Kragen: „Es ist kaum noch auszuhalten, wie sich Minister Schönbohm verhält“, schimpfte er in kleiner Runde. Weil sich die Union im Wahlkampf auf seine Bildungspolitik einschießt, ist das Verhältnis der beiden angespannt. Auslöser der jüngsten Verstimmungen bei Reiche: Als Schüler vor seinem Ministerium gegen die drohende Schließung der Teltower Realschule protestierten, verlas ein persönlicher Referent Schönbohms ein Unterstützerschreiben des CDU- Landeschefs und Innenministers. Obwohl sich nicht genügend Schüler für zwei neue 7. Klassen angemeldet hatten, sprach sich Schönbohm darin im Widerspruch zu Kabinetts- und Koalitionsbeschlüssen für die Erhaltung der Schule aus, die in seinem Wahlkreis liegt. Auch in der Union wurde dies mit Verwunderung registriert: CDU-Bildungssprecherin Carola Hartfelder gab zur gleichen Zeit ein Fernsehinterview, in dem sie die Position des Bildungsministeriums verteidigte.

Die Unglückssträhne unter den SPD-Ministern reißt nicht ab. Erst zog sich Bildungsminister Steffen Reiche einen Wadenbeinbruch zu, jetzt liegt Verkehrsminister Frank Szymanski im Krankenhaus. Er brach sich bei einem Fahrradunfall beide Arme. Szymanskis Unfall brachte Reiche in Nöte. In einem Schreiben bat er Finanzministerin Dagmar Ziegler um Hilfe: „Da der mich vertretende Minister, Herr Frank Szymanski, inzwischen ebenfalls erkrankt ist, bitte ich Sie, in dieser Zeit meine Vertretung zu übernehmen.“ Szymanski, vorher Reiches Bildungsstaatssekretär, war erst voriges Jahr Bauminister geworden. „Ein Glück“, hieß es jetzt im Bildungsministerium. „Sonst wäre das Haus jetzt führungslos.“

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