Boxen : Kurzmeldungen

Michael Mara Thorsten Metzner

UNTERM ADLER

Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) dreht auf: Hatten noch vor wenigen Wochen SPD-Genossen seine mangelnde Medienpräsenz kritisiert und auf Jörg Schönbohms (CDU) Umtriebigkeit verwiesen, scheint Platzeck jetzt ständig auf Sendung zu sein. Vor allem in den großen Bundesdebatten meldet er sich stärker zu Wort. Das wird auch durch den jüngsten „Politiker-Dax“ der Zeitschrift „Politik und Kommunikation“ bewiesen: Im Vergleich der 100 deutschen Politiker, die in den vergangenen Wochen am meisten in 23 großen Medien genannt wurden, steht Platzeck auf Platz 32, Schönbohm folgt hingegen erst auf Platz 63. Das bedeutet, dass Platzeck fast doppelt so oft genannt wurde („mindestens fünf Zeilen oder fünf Sekunden“) als sein Herausforderer bei der Landtagswahl am 19. September.

Müde dümpelt der Europa-Wahlkampf in Brandenburg dahin – nur bei den Sozialdemokraten ist viel los. Der Grund: eine farbige Anzeige, die die SPD in Stadt- und Szene-Magazinen schalten ließ: Sie zeigt eine nackte weibliche Brust. Die Brustwarze ist mit einem glitzernden Europa-Stern bedeckt. Dazu lautet die Überschrift: „Made in Europe. Wählen gehen – wir sind so frei“. In der letzten Landesvorstandssitzung musste Landesgeschäftsführer Klaus Ness sich geharnischte Kritik gefallen lassen. In der Geschäftsstelle gingen Protestbriefe ein. Von Frauenfeindlichkeit war die Rede. Junge SPD-Frauen fanden die Anzeige zwar nicht sexistisch, aber „ziemlich abgeklatscht, wie Tutti-Frutti in den achtziger Jahren“. Angeblich will Vize-Parteichefin und Finanzministerin Dagmar Ziegler jetzt in einem Rundschreiben an die Genossen den sozialdemokratischen Europa-Busen erklären.

Die Wege zum Fairness-Abkommen der Parteien im Landtagswahlkampf, das kommende Woche beschlossen werden soll, sind verschlungen: Der CDU-Entwurf, den die SPD-Zentrale mit einem Begleitbrief von CDU-Generalsekretär Thomas Lunacek an Partei- und Regierungschef Platzeck in der Staatskanzlei faxen wollte, landete bei der Hypo-Vereinsbank in Potsdam. Die schickte es zum Glück an die CDU-Parteizentrale zurück, die die SPD genüsslich auf die Panne aufmerksam machte. Ein Hin und Her gab es auch, weil die Union verbieten wollte, dass der politische Gegner verkürzt zitiert wird. Anlass war eine Juso-Broschüre mit Zitaten von CDU-Chef Jörg Schönbohm, die den Irak-Krieg unterstützen. „Würden wir darauf eingehen, müssten künftig alle Reden im Wortlaut abgedruckt werden“, sagte SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness. Jetzt will man sich auf die Formulierung verständigen, dass der politische Gegner nicht sinnentstellend zitiert werden dürfe.

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