• Lausitzring: Rennstrecke erhält international verständlichen Namen: "EuroSpeedway"

Boxen : Lausitzring: Rennstrecke erhält international verständlichen Namen: "EuroSpeedway"

Claus-Dieter Steyer

Der Name Lausitzring für die südlich Berlins entstehende Renn- und Teststrecke gehört seit gestern der Vergangenheit an. Ab sofort gehen die Betreiber mit der Bezeichnung "EuroSpeedway Berlin Brandenburg" auf Werbefeldzug in der internationalen Motorsportwelt. Der neue Name sei einfach zugkräftiger und auch englisch zu verstehen, begründete Geschäftsführer Hans-Jörg Fischer vor der internationalen Presse in Berlin die Änderung. Aus der Lausitz meldete sich bereits der erste Widerstand. Der Landrat des Spree-Neiße-Kreises, Dieter Friese, sprach von einem "Unsinn" und einem "austauschbaren" und "seelenlosen" Namen. Gleichzeitig teilte die Betreibergesellschaft mit, dass im September nächsten Jahres die amerikanische Champ-Car-Serie auf der neuen Strecke ihre Europa-Premiere feiert.

"Wir haben uns die Namensänderung nicht leicht gemacht", erklärte Geschäftsführer Fischer. "Aber wenn wir die Nummer 1 in Europa werden wollen, brauchen wir eine international zu verstehende Marke." Die Anlage an der Autobahn Berlin-Dresden sei so spektakulär, dass sie eine Sonderstellung auf dem Kontinent einnehme. Diesem Anspruch werde der alte Name nicht gerecht, meinte Fischer.

Ein Schweizer Marktforschungsinstitut hatte im April 900 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren, die mindestens einmal pro Monat Motorsport-Übertragungen im Fernsehen verfolgen, über mögliche Namen befragt. Die Interviews wurden in Deutschland, England und Frankreich unter anderem zu den Themen "universelle Eignung", "Einprägsamkeit", "Spannungsgehalt", "Premiumanspruch", "Mythospotenzial" und "Professionalität" geführt. Dabei habe der Begriff "EuroSpeedway" den Namen "Lausitzring" übertroffen, hieß es von den Marktforschern.

Landrat Friese appellierte an die Landesregierung, die immerhin mehr als 240 Millionen Mark öffentliche Gelder für den Ring bereitgestellt habe, sich für die Beibehaltung des alten Namens einzusetzen. Der Lausitzring sei ein Brandenburger Markenzeichen und sollte die Region bekanntmachen, erklärte Friese. Geschäftsführer Fischer lobte ausdrücklich die bisherige Unterstützung des Baus durch die Region. "Auch wir wollen die Rennstrecke zum Motor der Entwicklung machen. Aber dafür passt der neue Name besser ins Konzept", erklärte er.

Der Präsident der amerikanischen Champ-Car-Serie, Bobby Rahal, war eigens für die Pressekonferenz nach Berlin eingeflogen. Er versprach den deutschen Motorsportfans für nächstes Jahr einen "großen Spaß". Dieser sei nicht einmal mit der Formel 1 zu vergleichen. "Unsere Teams fahren schneller, haben robustere Rennwagen und nahezu gleichwertige Motoren", sagte Rahal, der selbst bis vor zwei Jahren noch in einem solchen Flitzer gesessen hatte. Die Europa-Premiere ist für den 13. bis 15. September vorgesehen. Auf dem Zwei-Meilen-Oval werden die Starter 500 Kilometer zurücklegen. Das Durchschnittstempo liegt bei über 300 Kilometer pro Stunde, die Formel 1 kommt je nach Strecke im Schnitt auf 200 bis 300. "Hier wird eine permanent hohe Geschwindigkeit gefahren, ständig überholt und wirklich Rad an Rad gekämpft", pries Ex-Formel-1-Star Emerson Fittipaldi die Sportart an. Er organisiert in seiner brasilianischen Heimat die Champ-Car-Serie. Außerdem finden 2001 auch Rennen in Japan, Australien und Mexiko statt. Bei den diesjährigen acht Rennen habe es acht verschiedene Sieger gegeben. Schon deshalb sei die Serie spannender als die Formel 1.

120 000 Zuschauer werden die Rennen verfolgen können, 90 Prozent von ihnen haben Sicht auf die komplette Strecke. Die Frage, wie viel Geld die Betreiber der EuroSpeedway den Organisiatoren aus den USA für deren Gastspiele gezahlt haben, blieb gestern unbeantwortet. Hans-Jörg Fischer sprach lediglich von einer Summe im "Millionen-Dollar-Bereich". Er rechnete mit einem Umsatz von 50 bis 70 Millionen Dollar "pro Event", was kurzfristig 500 bis 1000 Arbeitsplätze schaffe. Vorerst läuft der Vertrag mit der Champ-Car-Serie über fünf Jahre. Frank Reinhardt, Vorstandsmitglied der Deutschen Entertainment AG, versprach ein "amerikanisch angehauchtes Rahmenprogramm nicht nur für Motorsportfans". Jährlich seien zwei bis drei große Veranstaltungen mit Weltstars auf dem Gelände geplant. Auch nach der gestrigen Pressekonferenz kann über mögliche Formel-1-Rennen nur gerätselt werden. "Wir haben Kontakte zum Chef Ecclestone und wollen alle Top-Ereignisse zu uns holen", versicherte Fischer.

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