Boxen : Lesen und Rechnen mangelhaft

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Von Thorsten Metzner

Potsdam. Die Ergebnisse Brandenburgs bei der innerdeutschen PISA-Studie, bei der das Land in Kernkompetenzen wie Lesen und Mathematik den vorletzten Platz belegte, sind noch schlechter als bislang bekannt: Das wurde am Donnerstag auf einer Anhörung im Potsdamer Landtag deutlich, auf der PISA-Autor Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung erstmals öffentlich Detailergebnisse vorstellte. Danach können Brandenburger Schüler deutlich schlechter lesen als ihre bayerischen Altersgenossen, die den Spitzenplatz belegten. Baumert bezifferte den Rückstand auf „eineinhalb bis zwei“ Schuljahre gegenüber Bayern, bei den Kenntnissen in Mathematik auf ein Schuljahr. Baumert: „Das sind gravierende Unterschiede, die sich nicht so leicht aufholen lassen.“

Baumert betonte, dass Bayern wiederum in der Lesekompetenz gegenüber den internationalen Spitzenreitern wie Finnland „eineinhalb Schuljahre“ hinterherhinke. „Daran muss sich die Bildungsdebatte in Deutschland orientieren.“ Doch auch die gravierenden Bildungsunterschiede innerhalb der Bundesrepublik müssten ernst genommen werden. Es sei fraglich, ob die vom Grundgesetz geforderte Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse noch gewährleistet sei.

Die PISA-Studie erteilt dem Brandenburger Schulsystem im Deutschland-Vergleich besonders schlechte Noten: Zwar falle bei der Lesekompetenz auf, dass die Unterschiede zwischen leistungsstarken und schwächeren Schülern in Brandenburg im Vergleich zu anderen Ländern „am geringsten“ sind, sagte Baumert. „Man hält die Schüler stärker zusammen, aber auf einem schwachen Niveau.“ Auch der Anteil der Nichtleser – Schüler, die in der Freizeit kein Buch in die Hand nehmen – liege bei Brandenburger Neuntklässlern zum Beispiel bei 44 Prozent. Auch sei der Anteil leistungsschwacher Schüler – mit rund 30 Prozent – „außergewöhnlich“ hoch, sagte Baumert. Diese Gruppe habe die größten Schwierigkeiten, wenn sie nach der Schule in die Lehrausbildung wechsle. Bemerkenswert sei, dass Brandenburg zu den Schlusslichtern gehöre, obwohl hier nur wenige Zuwanderer-Kinder – wegen Sprachproblemen oft leistungsschwächer – zur Schule gehen.

Nicht besser sieht es bei den Kompetenzen in Mathematik aus, wo Brandenburg ebenfalls den vorletzten Platz belegt und selbst die Leistungen der stärksten Schüler hinterherhinken. Zu den Spitzenreitern gehört in diesem Fach Sachsen.

Die Ursachen seien vielschichtig, gingen bis hinein in die Schulkultur der Länder. In den neuen Länder mit ihren großen Problemen gebe es kein Klima, das zu Aufbruchstimmung an den Schulen führt, sagte Baumert. Brandenburg habe von den neuen Ländern die schwächste Gesamtstundenzahl der Schüler. Er nannte ein weiteres Beispiel: „In Bayern ist es selbstverständlich, dass ein Grundschullehrer 20 Minuten vor Unterrichtsbeginn in der Schule ist und die Schüler empfängt. In Berlin ist das undenkbar.“

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