Boxen : Machtkampf um PDS-Spitze: Landeschefin Tack warnt Herausforderer vor Zerreißprobe

Michael Mara

Offener Machtkampf in der märkischen PDS: Rund vier Wochen vor dem Wahlparteitag hat Landeschefin Anita Tack, die erneut kandidiert, ihren Herausforderer Ralf Christoffers in dessen Beisein auf einer Pressekonferenz unverblümt angegriffen: Sie habe Sorge, so Tack, dass die märkische PDS durch Christoffers Kandidatur "vor eine Zerreißprobe" gestellt werde. Und: "Ich habe Angst, dass dabei politisches Potenzial und Personen verloren gehen." Christoffers Kampfkandidatur sei der PDS "nicht dienlich". Sie hoffe deshalb, "dass es Entwicklungen im Landesverband geben wird, die diese Zerreißprobe auf dem Parteitag verhindern". Zwar wollte Tack auch auf Nachfrage nicht konkreter werden. Doch werteten Beobachter ihr Vorpreschen als Versuch, Christoffers in der Partei unter Druck zu setzen, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Dieser bekräftigte jedoch, dass er daran festhalten werde. Mit Tacks Warnungen vor einer "Zerreißprobe" der PDS trete ein, was die Partei nicht gebrauchen könne und was er verhindern wolle: eine unnötige Polarisierung. Gegenkandidaturen seien ein normaler demokratischer Vorgang. Christoffers wies darauf hin, dass die Klausurtagung des Landesvorstandes mit der Landtagsfraktion und den Kreischefs am Wochenende keine derartigen Warnungen ausgesprochen habe. Der Anschein könne erweckt werden, da die Landesvorsitzende in einer Presseerklärung zum "Ergebnis der Klausur" vor einer Zerreißprobe aufgrund seiner Kandidatur warne. Christoffers: "Ich weise die Instrumentalisierung der Klausurtagung durch Frau Tack zurück." Die 49-jährige Landeschefin war wiederholt wegen ihres "selbstherrlichen und wenig sensiblen" Führungsstils in die Kritik geraten. Ihr werden auch die unter ihrer Führung ausgebrochenen Querelen und Intrigen in der Parteiführung angelastet: So überwarf sie sich mit dem früheren Landesgeschäftsführer Olaf Balzer, der aufgab. Ein Parteiausschlussverfahren gegen ihren Ex- Sprecher Thomas Görner scheiterte jedoch. Wegen der Querelen forderte eine innerparteiliche Kritikergruppe sogar vorzeitige Parteiwahlen. Zuletzt zog Tack den Unmut vieler PDS-Genossen auf sich, als sie sich für die Ablösung von Fraktionschef Lothar Bisky aussprach.

Tack selbst räumte gestern ein, Fehler gemacht zu haben. Doch hob sie zugleich den Erfolgskurs der märkischen PDS unter ihrer Führung hervor: Damit die Partei "erkennbar und berechenbar" bleibe und der von ihr eingeleitete Erneuerungsprozess fortgesetzt werden könne, müsse es Kontinuität in der Führung geben. Christoffers konterte, dass zur Erneuerung ein demokratische Entscheidungsprozesse fördernder Politikstil wie überhaupt ein modernes Politikmanagement gehörten. Wie viele PDS-Politiker sieht er hier offenbar die größten Defizite bei Tack. Vor allen jüngere Genossen beklagen immer wieder "mangelnde Offenheit und Menschlichkeit" in der Partei.

Dennoch gilt derzeit als offen, wie der Machtkampf ausgehen wird: Fraktion, Landesvorstand und Kreischefs wollen derzeit kein Votum für einen der beiden Kandidaten abgeben. Tack selbst bedauerte dies gestern und verlangte ein "Signal" der Fraktion. Dass sie sich damit bisher nicht durchsetzen konnte, wird PDS-intern "als Zeichen von Schwäche" gewertet. Dem Vernehmen nach soll Tack die Mehrheit der Fraktion, darunter auch Fraktionschef Lothar Bisky, nicht hinter sich haben. Zwar gilt der wirtschaftspolitische Sprecher Christoffers als zurückhaltend, dafür aber als integer und menschlich. Erwartet wird, dass führende PDS-Politiker vor dem Parteitag Farbe bekennen werden - für Christoffers.

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