Märkische Schlösser : Wohnen wie die Könige

Die Schlösserstiftung sucht Interessenten für Grundstücke und Immobilien. Schon jetzt können historische Räume gemietet werden. Dabei sind auch viele Häuser, die sich in unmittelbarer Nähe von Sanssouci, Marmorpalais oder Cecilienhof befinden.

Claus-Dieter Steyer
Neues Palais
Fürstlich feiern: Wohnen im Neuen Palais ist auch künftig nicht möglich. Aber Räume für Veranstaltungen kann man dort mieten. -Foto: Claus-Dieter Steyer

PotsdamDie Aussicht klingt verlockend: Im Park Sanssouci, im Neuen Garten und in anderen königlichen Anlagen in Potsdam sollen künftig Urlaub und Wohnen möglich sein. Derzeit durchforstet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten ihren Bestand von mehr als 300 historischen Gebäuden, 750 Hektar Parks und Gärten und vielen Grundstücken, die an Interessenten abgegeben werden könnten. Auf diese Liste gelangen zwar keine als Museumsschlösser genutzten Häuser, dennoch dürfte die in der Immobilienbranche entscheidende Lage eines Objektes bei den Namen Sanssouci, Marmorpalais oder Cecilienhof viele Investoren anlocken. In den Werbetexten für die neuen Wohn- und Ferienappartementhäuser könnte es nur so von Superlativen wie „Wohnen wie die Könige“ wimmeln.

Die Idee, mit Ferien- und Wohnhäusern Geld zu verdienen, ist in der Schlösserstiftung nicht neu. „Doch jetzt prüfen wir die Machbarkeit wirklich ernsthaft“, sagt Heinz Berg, Direktor der Generalverwaltung. Notwendig sei in jedem Fall die Beteiligung privater Investoren. Auf der Liste von möglichen Baugrundstücken und abzugebenden Immobilien stehen lukrative Namen. Laut Stiftung gehören dazu die Eckpavillons der Orangerie und die Meierei am Kuhtor im Park Sanssouci, der Marstall im Park Babelsberg und der jetzt noch wenig ansehnliche Restaurierungshof im Neuen Garten.

Als „echtes Filetgrundstück“ bezeichnet die Sprecherin der Schlösserstiftung, Elvira Kühn, das Schweizer Haus hinter dem Park Sanssouci. Hier gebe es zwar nur noch die Grundmauern, aber die Lage sei nicht zu toppen. „Allerdings erhält hier nur derjenige Interessent den Zuschlag, der auch bei anderen Objekten einsteigt“, sagt sie und spricht von einer „Paketlösung“.

Hintergrund der Verkaufsofferte sind die finanziellen Probleme der Stiftung. Daher soll auch verstärkt für die Vermietung von attraktiven Räumen in Potsdam, Caputh und Königs Wusterhausen geworben werden. Wie berichtet, hat Generaldirektor Hartmut Dorgerloh den Sanierungsbedarf für die nächsten zehn Jahren mit 285 Millionen Euro beziffert. Vor allem das Neue Palais, Schloss Charlottenburg und Schloss Babelsberg brauchen dringend eine umfassende Restaurierung. Insgesamt geht die Stiftung für alle Häuser von einem 730 Millionen Euro hohen Finanzvolumen in den nächsten 25 Jahren aus. Da die drei Geldgeber, das Land Brandenburg, Berlin und der Bund, nicht über so große Summen verfügen, will die Stiftung nun die eigenen Einnahmen erhöhen.

2006 machte der Eigenanteil am 50 Millionen Euro großen Etat der Stiftung gerade 12,8 Millionen aus. Allein sieben Millionen Euro brachte der Verkauf von Eintrittskarten. Lediglich mit 300 000 Euro schlug die Vermietung von Räumen zu Buche. Diese Summe soll erhöht werden. Dabei können sich Vereine, Organisationen oder Privatpersonen schon jetzt eine ganze Reihe von attraktiven Orten für Veranstaltungen mieten:

Das Schloss Lindstedt, ganz in der Nähe von Park Sanssouci und Neuem Palais, eignet sich für Vorträge, Konzerte, Lesungen, Empfänge und Essen. Maximal 50 Sitz- oder 120 Stehplätze bietet der 1858 im Stil des romantischen Klassizismus errichtete Bau. Die Miete beträgt 1600 Euro, mit dem Garten 1850 Euro.

Während der Spielpausen im Februar sowie von Juli bis August steht das Schlosstheater im Neuen Palais für Veranstaltungen offen. Hier finden 226 Personen Platz. Die Miete wird je nach Dauer und Art der Veranstaltung festgelegt.

Mindestens 1000 Euro kostet die Wohnung des Marquis D'Argens im Neuen Palais mit bis zu 50 Sitz- und 180 Stehplätzen. Die Räume im Stil des friderizianischen Rokokos sind Zeugnisse der höfischen Wohnkultur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Lesungen, Vorträge oder Empfänge bieten sich hier an.

Für Freiluftveranstaltungen, klassische Konzerte, Lesungen und Vorträge eignen sich die Orangerieterrassen im Park Sanssouci. Hier finden 2200 Personen Platz. Das Orangerieschloss wurde als Teil der Triumphstraßenplanung 1851 bis 1860 von Ludwig Ferdinand Hesse und August Stüler errichtet.

Ebenfalls für Freiluftveranstaltungen eignet sich der Gartensalon im Park Sanssouci. Er besteht aus einer ovalen Rasenfläche sowie einem Gittersalon. Die Preise beginnen ab 500 Euro. Im Neuen Garten können die Pflanzenhallen von Juni bis Mitte September für bis zu 150 Personen gemietet werden. Mindestens 800 Euro kostet das Vergnügen.

Lediglich „kulturelle Einrichtungen mit staatlicher Förderung“ erhalten den Palmensaal im Orangeriegebäude im Neuen Garten. Die gleiche Einschränkung gilt für den westlichen Erweiterungsflügel im Schloss Caputh. Hier gibt es 50 Sitz- oder 60 Stehplätze, zu mieten ab 800 Euro. Das Doppelte ist für den Festsaal des Schlosses aufzubringen. Ganzjährig steht abends der Saal im Sockelgeschoss des Jagdschlosses Königs Wusterhausen für bis zu 40 Personen offen, für mindestens 800 Euro.

Seit Mai 2004 wird das Maurische Kabinett im Belvedere auf dem Pfingstberg vom Standesamt Potsdam für Trauungen genutzt. Mit seiner exklusiven Lage hoch über der Stadt und seiner italienisch anmutenden Architektur ist das Belvedere eine bezaubernde Kulisse für den großen Tag. Trauungen sind von Mai bis September möglich. Auch die Westarkade des Belvedere (90 Minuten zu 290 Euro) und die Dachterrasse des Pomonatempels (290 bis 696 Euro) können gemietet werden.

Auskünfte zu den Angeboten unter Telefon 0331/96940 und www.spsg.de, für das Belvedere auf dem Pfingstberg unter Telefon 0331/2701972 und unter www.pfingstberg.de.

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