Boxen : „Man wächst mit seinen Aufgaben“

Er will Schönbohm beerben: Ulrich Junghanns über seine Stärken und Schwächen

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Warum haben Sie so lange gezögert, sich für den Parteivorsitz zu bewerben?

Ich habe nicht gezögert, sondern immer betont, dass ich mich erklären werde, wenn der Wettbewerb losgeht. Nämlich jetzt.

Manche Christdemokraten legen Ihr Zaudern als Führungsschwäche aus?

Damit muss ich leben.

Sind Sie ein Machtmensch?

Ich will in der Politik gestalten, dazu gehört, Macht zu wollen. Aber ich träume nicht von Posten.

Was qualifiziert Sie für den CDU-Vorsitz?

Meine Erfahrungen und meine Leistungen in der Politik: Ich kenne die Brandenburger CDU und das Land. Ich war im Bundestag und in der Kommunalpolitik aktiv, war wirtschaftlich tätig, bin seit einigen Jahren Minister. Insofern habe ich eine gute Schule hinter mir.

Sie waren Funktionär der DDR-Bauernpartei, sogar Vorsitzender. Kann Ihnen das Blockflöten-Etikett schaden?

Ich kandidiere mit meiner Biografie. Mit der bin ich immer offen umgegangen.

Hatten Sie als Funktionär der Bauernpartei mit der Staatssicherheit zu tun?

Ich habe nicht für die Staatssicherheit gearbeitet. Das ist mehrfach bestätigt worden.

Sie gelten als politisch blass und nicht eloquent, aber auch als pragmatisch und integrativ. Reicht das, die märkische CDU aus dem 20-Prozent-Loch zu bringen?

Das sehe ich ganz anders: Ich habe wie jeder Stärken und Schwächen, aber man wächst auch mit seinen Aufgaben.

Wo sehen Sie Ihre größte Schwäche?

Für manche greife ich nicht schnell genug an. Aber ich bin gegen Aktionismus. Tagesaktuelle Auseinandersetzungen sind häufig zu oberflächlich, zu reflex-gesteuert.

Sie formulieren oft umständlich, bringen die Dinge nicht auf den Punkt?

Vielleicht tue ich mich manchmal schwer, komplizierte Sachverhalte zu vereinfachen.

Unser Eindruck: Sie misstrauen Medien?

Nein. Misstrauen ist da nicht, aber auch kein Vertrauen. Das hat mit der Oberflächlichkeit der Mediengesellschaft zu tun, der Neigung zu schnellen Schlagzeilen und Klischees.

Jörg Schönbohm war der „Übervater“ der märkischen Union. Wie wollen Sie aus seinem Schatten treten?

Keiner kann Jörg Schönbohm, seine Lebenserfahrung und Autorität, kopieren. Er hat die CDU stark gemacht und zugleich Deckung gegeben. Nach ihm kann es nur eine Teamlösung geben.

Wie wollen Sie die Spaltung der CDU-Führung überwinden?

Wenn ich gewählt werde, verstehe ich meine Aufgabe darin zusammenzuführen. Ich lasse mich nicht über Lager definieren.

Können Sie sich auch eine Zusammenarbeit mit Sven Petke vorstellen?

Diese Frage stellt sich zurzeit für mich nicht.

Werden Sie dem Petke-Lager in Ihrem Führungsteam personell entgegenkommen?

Ich kandidiere für die ganze Brandenburger CDU. Ich trete nicht an, um am Anfang dieses Weges auszusortieren. Wer mit mir an der Spitze den Weg gehen will, kann mein Partner werden. Aber jetzt will ich erstmal den Wettbewerb gewinnen. Dazu muss ich keine Angebote machen.

Petke will die CDU auf ein familienfreundliches Profil einschwören – Stichwort kostenlose Kitas. Ist das der Weg aus der Krise?

Die Programmdebatte in Brandenburg mit einem kostenlosen Vorschuljahr zu beginnen, halte ich für falsch. Politik sollte nicht versprechen, was sie nicht bezahlen kann. Die Bundespartei hat die neuen Entwicklungen klug aufgenommen.

Manche haben Schwierigkeiten, Ihr politisches Profil zu erkennen?

Ich habe meine Position und mein Profil, aber ich lasse mich nicht in politische Schubladen pressen. Ich werde als Vorsitzender mit eigenem Profil die CDU führen.

Sie wollen Vorsitzender einer christlichen Partei werden, gehörten als Funktionär der Bauernpartei, aber nicht der Kirche an. Sind Sie ihr inzwischen beigetreten?

Ich bin getauft und Mitglied der evangelischen Kirche.

Werden Sie bei Ihrer Wahl zum neuen CDU-Vorsitzenden Anspruch auf das Amt des Vize-Regierungschefs erheben?

Damit befasse ich mich, wenn ich zum Vorsitzenden gewählt werde. Das gebietet schon mein Respekt vor Jörg Schönbohm.

Ulrich Junghanns (50) ist Brandenburgs Wirtschaftsminister und stellvertretender CDU- Chef. Über seine Kandidatur zum Landesvorsitzenden sprach er mit Michael Mara und Thorsten Metzner.

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