Boxen : Manfred Stolpe wird 65: "Pflichterfüllung bis zur letzten Patrone"

Michael Mara Thorsten Metzner

Ministerpräsident Manfred Stolpe feiert heute seinen 65. Geburtstag. Auf dem Empfang am Nachmittag in der Staatskanzlei werden zwei CDU-Politiker Laudationen für den populären Sozialdemokraten halten: Eberhard Diepgen und Jörg Schönbohm. Stolpe gehört zu den dienstältesten Ministerpräsidenten Deutschlands, er regiert Brandenburg seit Herbst 1990. Der Tagesspiegel hat aus dieser Zeit markante Zitate Stolpes zusammengetragen, die seinen Weg, auch seine Irrtümer illustrieren.

"Es lohnt sich, für einen wirtschaftlich effektiven, sozial gerechten, demokratischen, moralisch sauberen und den Menschen zugewandten Sozialismus einzutreten" (November 1989).

"Es ist deutlich geworden, dass wir hier in Brandenburg bei unserem demokratischen Ringen weder Sieger noch Besiegte haben können. Ich bitte Sie um Zusammenarbeit." Nach der Wahl zum Ministerpräsidenten Brandenburgs am 1. 11. 1990.

"Wenn ein gemeinsames Land zustande kommt, ist das keine Aufgabe der Identität Brandenburgs. In einem Land, zu dem Brandenburg und Berlin gehören, wird für beide Teile die Möglichkeit der Identifizierung sein." Im Tagesspiegel am 29. 8.1991.

"Aber die meisten Reaktionen liegen noch ganz auf der bisherigen Linie der völlig undifferenzierten Schwarzmalerei ... Ich fürchte, da kriechen eine ganze Menge Schlangen heraus. Klapperschlangen." Am 22.1.1992 im Tagesspiegel, nachdem er Kontakte mit der Stasi eingeräumt hatte.

"Ich bin ganz streng dafür, dass wir in diesen Stasi-Fragen alle gleich behandeln. Sonderrechte darf es für niemanden geben ... "Vermutlich ist man im Umgang mit einer Geheimpolizei da wirklich zu gutläubig oder blauäugig gewesen." Im Tagesspiegel am 24.4.1992.

"Wir müssen lindern, weil im Osten Deutschlands die kleinen Leute katastrophal die Opfer einer verfehlten, überstürzten Wirtschaftspolitik geworden sind ... Wir brauchen keinen Vergleich mit Sachsen zu scheuen" Im Tagesspiegel am 8. 1. 1993.

"Macht? Ich weiß gar nicht, was das ist" Auf eine Frage der Süddeutschen Zeitung im April 1993 nach seinem Amtsstil.

"Die Brandenburger wollen kein Parteiengezänk." In einer Rede am 12.1.1994.

"Ja, es war ein Fehler. Ich habe durch dieses Abwarten den Missdeutungen Vorschub geleistet. Nach den ersten schweren Attacken im Februar/März 1992 hätte ich konzentriert all das herausarbeiten und offenlegen müssen, was ... missverständlich sein könnte ... . Bei mir gilt Pflichterfüllung bis zur letzten Patrone" Am 2. April 1994 im Tagesspiegel auf die Frage, ob die scheibchenweise Information über Einzelheiten seiner Stasi-Verwicklungen ein Fehler war und er wegen der Vorwürfe an Rücktritt gedacht habe.

"Die Brandenburger rechnen, dass sie zu wenige und die Berliner zu viele sind. Die West-Berliner rechnen, sie sind zu wenige und diese schrecklichen Ossis zuviele." Im Juni 1995 über Ängste vor der Fusion.

"Sperenberg ist der menschenfreundlichere, verkehrs- und flugtechnisch bessere Standort. Da im Umfeld von Schönefeld 70 000 bis 100 000 Einwohner leben, wäre ein Großflughafen dort unmenschlich. Außerdem müssten mehrere Dörfer weg - und wir wissen durch Horno wie hart das ist. Ich werde freiwillig Schönefeld nicht zustimmen." Im Sommer 1995 zum Tauziehen um den Standort des Großflughafens.

"Bis zum 1. Oktober 1999 soll die Durchschnittsarbeitslosigkeit in Brandenburg unter zehn Prozent gedrückt werden." Regierungserklärung 8.11.1995.

"Ich bin enttäuscht. Und damit werde ich noch eine ganze Weile zu kämpfen haben." Am 7.5.1996 nach der gescheiterten Fusionsabstimmung in der Süddeutschen.

" ... gerade bei den kompliziertesten Aufgaben wie der Senkung der Arbeitslosigkeit fühle ich mich oft eher in der Rolle des alten Sisyphos." Im Dezember 1996.

"Wir haben das Konzept für das Single-Dasein Brandenburgs noch nicht entwickelt. Wir haben uns ganz auf die Fusion konzentriert. Deshalb hatten wir die Not-Variante nicht in der Tasche. Ich habe ein schlichtes Gemüt: Wenn ich mit aller Kraft auf ein strategisches Ziel setze, kann ich nicht die zweite Karte generalstabsmäßig in der Tasche haben. Möglicherweise ist das eine Schwäche." Am 30.12. 1996 im Tagesspiegel.

"Wir wollten keine Total-Kopie West in Brandenburg." Im Dezember 1996 über seinen "Brandenburger Weg".

"Es ist knallhartes Landesinteresse, das Ruder in Potsdam herumzureißen ..." 1996 über die Probleme in Potsdam.

"Ich will nichts verniedlichen: Vorurteile gegen Fremde sind in der Bevölkerung relativ weit verbreitet." 1998 über Fremdenfeindlichkeit.

"Die Sozialdemokraten sollten Schönbohm danken, dass er sie wachrüttelt." Im Landtagswahlkampf 1999.

"Brandenburg hat immer Vorfahrt vor Parteidisziplin." Am 17.8.2000 über mögliche Konflikte mit Kanzler Gerhard Schröder.

"Differenzieren wirkt als Verharmlosen und verharmlosen heißt unterstützen." In der Zeit im September 2000 über seine Unterschätzung des Rechtsextremismus.

"Glauben Sie wirklich, dass ich an meinem Stuhl klebe, dass man mich hier raustragen muss?" Im Oktober 2000 auf die Frage, wann er zurücktritt.

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