Boxen : Mehr Biosprit vom Bauern

Claus-Dieter Steyer

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Es klingt unglaublich, aber der hohe Benzinpreis könnte ausgerechnet dem Land Brandenburg neue Jobs und vielleicht sogar Wohlstand verschaffen. Und zwar unter dem neuen Slogan für die Bauern: „Vom Land zum Energiewirt.“

Die Idee ist keineswegs neu, Motoren mit Rapsöl oder Bio-Diesel anzutreiben. Aber bislang kümmerte sich um dieses Thema eher eine überschaubare Gruppe von experimentierfreudigen Forschern und Ingenieuren. Den Durchbruch schafften sie bislang noch nicht. Die Konkurrenz des billigen Erdöls war einfach zu groß. Oft drehte sich die Diskussion im Kreis: Die Auto- und Bahnindustrie redete sich mit dem angeblich zu geringen Angebot an pflanzlichen Treibstoffen heraus, während die Bauern wegen der vermeintlich zu schwachen Nachfrage erst gar nicht Raps und andere Kulturen massenhaft anbauten.

Doch angesichts der wohl auch künftig teuren Spritpreise ergeben sich nun ganz andere Perspektiven. Die Bauern könnten sofort loslegen, Felder und stillgelegte Flächen gibt es im weiten Brandenburg reichlich. Sie hätten endlich einmal ein Produkt ohne von der EU festgelegte Quoten und ohne die Gefahr der Überproduktion wie derzeit bei der Milch. Selbst Schafhirten und Hanfanbauer hätten neue Chancen. Sie würden der Autoindustrie Dämmwolle und andere Teile liefern, um die Pkw bis zu 30 Prozent leichter zu machen. Geringeres Gewicht bedeutet schließlich gedrosselten Benzinverbrauch.

Allein werden es die Bauern nicht schaffen, Brandenburg mit gelben Rapsfeldern zu überziehen. Sie brauchen Steuermittel zumindest für den Anschub, nicht zuletzt für die Verarbeitungswerke. Doch die Politik, die jetzt vor den offenbar übermächtigen Ölmultis kneift, sollte sich hier nicht zu lange zieren. Nur eine starke Konkurrenz zum gewöhnlichen Benzin könnte die Preise an den Zapfsäulen wieder drücken. An guten Beispielen mangelt es nicht. So lässt die kleine private Prignitzer Eisenbahngesellschaft ihre Loks mit Bio-Diesel fahren. Der ist viel billiger als normaler Diesel. An den Geruch von Fritten-Buden, den so eine Lok hinterlässt, haben sich die Menschen längst gewöhnt.

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