Boxen : Mehr Mut

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ClausDieter Steyer über das Dilemma der zurückgehenden Besucherzahl in Sanssouci und Umgebung

ANGEMARKT

Lust auf eine Hochzeit im Schloss Sanssouci? Na dann viel Vergnügen: Das Brautpaar und seine Gäste stecken in Filzpantinen, Stühle und Tische sind ebenso untersagt wie Speisen und Getränke. Bei so strengen Vorschriften des Denkmalschutzes erübrigt sich jeder ernsthafte Gedanke an Feiern in den königlichen Gemächern Potsdams und Umgebung. Das Essen zwischen Kohl und Clinton vor einigen Jahren bleibt die Ausnahme.

So muss die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten die Besucher mit anderen Reizen in ihre 32 Museumsschlösser und viele andere Bauten locken. Geschichte, Kunst und Pracht reichen nicht mehr allein: Die Besucherzahl ging im Vorjahr gegenüber 2001 um satte acht Prozent zurück. Da viele Bauten dringend saniert oder aufwendig erhalten werden müssen, schließt sich der Kreis: Weniger Einnahmen bedeuten weniger Geld für die eigentlichen Besucherattraktionen.

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, mangelt es nicht an Ideen. Der neue Stiftungsdirektor denkt an unterhaltsamere Führungen, an bessere Beleuchtung – die erfolgreichen Schlössernächte lassen grüßen –, sogar an Ferienwohnungen in geeigneten Gebäuden. Doch das reicht nicht aus.

Vielleicht genügt zur Anregung schon ein Blick zum Nachbarn von Sanssouci. Das im letzten Juni eröffnete Krongut Bornstedt schreibt eine nie erwartete Erfolgsgeschichte. 330 000 Besucher fanden hier offensichtlich die gewünschte Mischung aus Geschichte, Gastronomie und Unterhaltung in einem harmonischen italienischen Dörfchen.

Vieles, was in diesem umgebauten früheren Mustergut der Hohenzollern präsentiert wird, wäre auch in den königlichen Parks möglich. Vielleicht sollten sich die Chefs der Stiftung und des Krongutes mal treffen, um eine Kooperation zu besprechen. Nutzen hätten bestimmt beide Seiten, vor allem aber die Touristen und Gruppen mit dem Wunsch nach Feiern aller Art.

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