Boxen : Mehr Pudding für Holland

Die Atmosphäre beim Besuch von Ministerpräsident Matthias Platzeck im Milchwerk Campina am vergangenen Freitag war etwas frostig. Kein Wunder, schließlich hatte die Nachricht von der geplanten Schließung des Werks eine Woche zuvor die 350 Beschäftigten eiskalt erwischt. In ihren Augen gibt es dafür keinen Grund: Der Betrieb schreibe schwarze Zahlen und habe gefüllte Auftragsbücher, hört man in diesen Tagen oft in Elsterwerda, Bad Liebenwerda oder im benachbarten – sächsischen – Großenhain und Gröditz, wo ebenfalls zahlreiche Campina-Beschäftigte und Zulieferer wohnen.

Aber Monopoly geht inzwischen etwas anders: Schwarze Zahlen allein sind schon lange kein Kriterium für einen Standort mehr, und der wirtschaftliche Kollaps, der zum sozialen Supergau für eine ganze Region führen kann, ist es erst recht nicht. Dass genauso viele Milchbauern wie Molkereibeschäftigte von der Schließung betroffen wären, macht die Sache noch schlimmer. Doch der Markt ist knallhart, und dass große Unternehmen nach Einsparpotenzialen suchen, kann niemanden überraschen. Schon gar nicht, wenn sie wie die Molkerei-Konzerne Friesland Foods und Campina gerade vor gut einem Jahr fusioniert haben.

Was viele betroffen und manche stutzig macht, ist die Kaltschnäuzigkeit, mit der die holländische Mutterfirma die Beschäftigten – nicht nur in Elsterwerda – vom drohenden Aus informierte: kurz vor Weihnachten und ohne eine Suche nach Alternativen auch nur anzukündigen. Oder haben jene recht, die argwöhnen, die Holländer wollten nur noch mehr vom Pudding der Fördergelder abgreifen und rechneten damit, dass sich Politiker vor Weihnachten etwas schneller bewegen?

Ministerpräsident Platzeck will am Mittwoch erste Gespräche mit Vertretern der Konzernleitung führen. Es wird ihm fast nichts anderes übrig bleiben, als ihnen den Verbleib im strukturschwachen Elbe-Elster-Land ein wenig zu versüßen. Alles andere wäre noch bitterer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar