Boxen : Menschen für Menschen: "Oberstes Anliegen war immer Hilfe zur Selbsthilfe"

Groß und aufmerksam schauen die Augen hinter der Brille hervor. Ruhig sitzt der Schauspieler Karlheinz Böhm in dem dunklen Ledersessel im Potsdamer Industrieclub und erzählt. Von seiner Arbeit für "Menschen für Menschen" (MfM) in Äthiopien. Die Stiftung hat er vor fast zwanzig Jahren nach einem Auftritt in der Fernsehsendung "Wetten dass?" gegründet. Aber er erzählt auch von sich und was sich seitdem für ihn verändert hat: "Ich habe viel gelernt in der Zeit und weiß, dass ich noch viel mehr lernen müsste", sagt er und kommt auf Äthiopien zu sprechen. "Wir können als kleine Organisation die Lage im Land nicht wesentlich verbessern", betont er. So konnten die sozialen Hilfsstrukturen im Land verbessert werden. "Dabei war oberstes Anliegen immer, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten", so Böhm.

Schon die Struktur der Stiftung ist darauf ausgerichtet, dass die Menschen ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen können. So arbeiten mittlerweile über 600 Äthiopier bei MfM und nur vier Europäer. Landwirtschaft, Bildung und Gesundheit sind die vorrangigen Bereiche, in denen die Organisaion tätig ist. Auch bei der Wasserversorgung sei Hilfe nach wie vor dringend erforderlich. MfM hat mittlerweile 632 Brunnen gebaut. Nicht nur Wasser und Bildung bräuchten jedoch die Menschen, betont der Künstler und gibt zu, dass er selbst erst spät begriffen habe, dass der Straßenbau eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung im Land sei.

Böhm wirbt für MfM, die Organisation ist auf private Spenden angewiesen. 360 Millionen Mark wurden bisher gesammelt. Und Böhm wirbt weiter. Als er kürzlich in Potsdam war, nahm er einen Scheck des DaimlerChrysler-Konzerns entgegen. Geplant ist auch eine Benefizveranstaltung im Industrieclub, deren Schirmherrschaft Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) übernehmen wird. Böhm wird aber auch in Potsdamer Schulen sprechen, um die jungen Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Karlheinz Böhm war schon oft in Potsdam. Und er wird wiederkommen. Und dann erzählt der Schauspieler noch etwas ganz Privates aus Äthiopien. Dort habe er nämlich auch gelernt, wie wichtig eine Familie ist. Nach mehreren vergeblichen Versuchen in einer Partnerschaft glücklich zu werden, habe er in Äthiopien die ideale Lösung gefunden. Seit 13 Jahren ist er mit Almaz, einer Äthiopierin, verheiratet, hat zwei Kinder, "die mir wohl bis zu meinem letzten Atemzug zur Seite stehen werden".

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