Boxen : Mit Billigfliegern aus den roten Zahlen

Schönefeld wird deutscher „Heimatflughafen“ der Linie Easyjet. Dadurch soll sich die Zahl der Passagiere bis Ende 2005 verdoppeln

Klaus Kurpjuweit

Schönefeld. Premiere für Berlin. Zum ersten Mal erhält eine Fluggesellschaft einen eigenen Abfertigungskomplex. Die britische Billigfluglinie Easyjet mietet von der Flughafengesellschaft in Schönefeld den Terminalanbau B. Die Briten machen den Flughafen damit zu ihrer deutschen „Heimatstation“ und zu einem Drehkreuz in ihrem Netz. Die Zahl der Fluggäste in Schönefeld werde sich durch Easyjet bis Ende 2005 verdoppeln – auf dann drei Millionen Fluggäste im Jahr, hofft Dieter Johannsen-Roth, der Chef der Flughafengesellschaft. Damit kommt Schönefeld langsam aus den roten Zahlen: Mit etwa vier Millionen Passagieren wäre Schönefeld aus dem Schneider.

Allerdings ist damit zu rechnen, dass durch den Coup, Easyjet nach Schönefeld zu holen, andere Gesellschaften sich dort zurückziehen werden, um der Konkurrenz aus dem Weg zu gehen. Die irische Ryanair wird wie berichtet mit dem Flughafen von Neubrandenburg im Norden Berlins in Verbindung gebracht. Easyjet wird nach Angaben ihres Chefs Ray Webster im Mai in Schönefeld mit zunächst sechs Flugzeugen starten; fünf davon sollen fest in Schönefeld stationiert sein. Als Faustregel dabei gilt, dass jede Maschine knapp hundert Arbeitsplätze bringt. Easyjet will die neuen Mitarbeiter vor allem in Berlin und Brandenburg anwerben.

Für Webster ist Berlin – und damit Schönefeld – ein idealer Standort, um die Expansion seiner Gesellschaft weiter voranzutreiben. Berlin mit seinem großen Einzugsgebiet sei bereits jetzt eine der „attraktivsten Anflugdestinationen“ in Europa. Zur Auswahl für den neuen Standort standen fast 80 europäische Flughäfen. Dass Schönefeld das Rennen gemacht habe, liege am besonderen Angebot, das man Easyjet habe machen können, sagte Johannsen-Roth. Der Flughafen und Easyjet seien dabei eine faire Partnerschaft eingegangen. Besondere Lockangebote habe es nicht gegeben. Allerdings wird es zum Beispiel gemeinsame Werbeaktionen geben.

Easyjet startet von Schönefeld aus ab Mai zunächst zu elf Zielen: London, Luton, Liverpool, Bristol und Newcastle sowie nach Paris, Nizza, Palma de Mallorca, Barcelona, Neapel, Kopenhagen und Athen. Der billigste Flug kostet mit Steuern und Gebühren 25 Euro. Gebucht werden kann bereits jetzt im Internet unter www.easyjet.com . Fast 95 Prozent aller Plätze der Linie werden über das Internet verkauft.

Mit Easyjet wird Schönefeld zu einem Zentrum der Billigfluglinien. Erst vor kurzem zog Germanwings von Tegel nach Schönefeld und fliegt seitdem nach Köln/Bonn und Stuttgart. Weitere Ziele waren bereits angekündigt, die sich fast mit denen von Easyjet decken. Hinzugekommen sind außerdem die italienische Volare-Web, die nach Hahn, Mailand, Rom, Venedig und Brindisi fliegt, sowie V-Bird mit Verbindungen zum Niederrhein.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns sehen im Aufschwung Schönefelds auch einen Schub für den geplanten Großflughafen. An dessen Bau halte man ohne Einschränkungen fest, sagte Wowereit. Platz für eigene Bereiche von Fluggesellschaften gebe es dort dann auch.

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