Boxen : Mit der Fähre zum Unterricht

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Reinickendorf. Mit einem optimistischen Blick in die Zukunft feierte die Schulfarm Insel Scharfenberg gestern ihren 80. Geburtstag. Über mangelnde Nachfrage kann man sich nicht beklagen. Mit drei siebenten Klassen startet das malerisch im Tegeler See gelegene Gymnasium nach den Sommerferien ins neue Unterrichtsjahr. Damit wird erstmals die Zahl von 300 Schülern erreicht.

Beim 75. Geburtstag hatte man noch Sorgen und suchte angesichts rückläufiger Schülerzahlen nach einer Neuausrichtung. Die entscheidende Wende brachte die Aufhebung der Internatspflicht, so der Pädagogische Koordinator Rainer Wittkowski. Parallel dazu wurde massiv für das Gymnasium geworben, unterstützt durch einen sehr aktiven Förderverein. Heute treten rund drei Viertel der Schüler nach dem Unterricht mit der Fähre wieder den Heimweg an.

Bereits 1921 hatte das Weddinger Humboldt-Gymnasium auf der Insel eine Sommerschule in Form eines Landschulheimes unter der Leitung von Wilhelm Blume eröffnet. Ein Jahr später entstand daraus nach dessen Konzept in der alten Bolle-Villa eine eigenständige Schule mit zunächst drei Lehrern, elf Oberstufen- und zehn Mittelstufenschülern. 1923 übernahm das Gymnasium auch die Landwirtschaft auf der Insel, so wurde der Schulfarm geprägt. Ab 1932 fungierte Blume parallel auch als Leiter des Tegeler Humboldt-Gymnasiums, womit die intensive Zusammenarbeit beider Einrichtungen begründet wurde.

Während des Weltkriegs war die Schule zuletzt ein Wehrertüchtigungslager und danach eine Marineschule für Kadetten der russischen Besatzungstruppen. Der Schul- und Internatsbetrieb konnte nach dreijähriger Verlagerung bereits im September 1945 wieder aufgenommen werden. 1946 wurden erstmals auch Mädchen im Internatsbetrieb zugelassen. In den 50er Jahren erfolgten umfangreiche Neubauten und die Sprengung der Bolle-Villa. 1965 startete Scharfenberg gemeinsam mit dem Tegeler Humboldt-Gymnasium einen Schulversuch zur Reform der Gymnasialen Oberstufe.

Einst bot das Insel-Gymnasium bis zu 180 Schülern nicht nur Bildung, sondern auch Unterkunft. Damals wurde allerdings nur einzügig unterrichtet, gibt Rainer Wittkowski zu bedenken. Jetzt wird erstmals ein dritter Klassenzug eröffnet, dienen viele ehemalige Wohnräume der schulischen Nutzung. Auch hier ist der Zahn der Zeit nicht spurlos vorübergegangen: Viele Gebäude warten angesichts der Berliner Finanzmisere dringend auf die längst überfällige Sanierung.

Für die besondere Beliebtheit der Schulfarm sorgt die starke Betonung des Wassersports mit Ruder-, Segel- und Kanukursen. Aber auch mit der Landwirtschaft ist der Unterricht weiterhin eng verknüpft, für die siebenten Klassen gibt es das Fach „Biologisches Werken". Und noch immer leben auf Scharfenberg auch mehrere Kühe, Schweine, Gänse und Ponys. Rainer W. During

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