Boxen : Mit deutlichen Worten

Lehrer, Bandmanager, Sozialpolitiker – Günter Baaske ist Platzecks zweiter Mann

Michael Mara

Potsdam – Im Potsdamer Kabinett ist Arbeits- und Sozialminister Günter Baaske eine Ausnahme – nicht nur deshalb, weil er als einziger der Männer ohne Krawatte zu den Sitzungen erscheint. Auch sein Politikstil hebt sich ab, seine direkte, burschikose Art. „Sie sind genau so schlecht rasiert wie ich“, begrüßt er einen Unternehmer – und hat ihn schon für sich eingenommen. Baaske ist einer, der kein geschraubtes Politiker-Deutsch redet, den die Leute verstehen. Einer, der auch in der Diskussion mit Arbeitslosen nicht um den heißen Brei herumredet und Wahrheiten ausspricht wie: „Die Politik hat es versäumt, die Faulen von den Schwachen zu trennen.“

Im heißen Hartz-IV-Wahlkampf gehörte der 46-Jährige zu den wenigen SPD-Politikern, die ständig unter den Menschen waren und auch bundesweit von Medien wahrgenommen wurden. Während Platzeck auf Marktplätzen für die rot-grünen Reformen warb, tat es Baaske in Arbeitslosenzentren und Klubs. „Er hat dazu beigetragen, dass die SPD wieder stärkste Partei wurde“, heißt es in der Parteispitze. Baaske ist von Beruf Lehrer, hat zu DDR-Zeiten aber auch als Discjockey gearbeitet. In der Wendezeit war er Manager der Popband „Keimzeit“, gründete in Belzig das Neue Forum und dann die SPD mit. Zwölf Jahre war er als Sozialdezernent im Landkreis Potsdam-Mittelmark gewissermaßen an der Basis tätig.

2002 holte ihn Matthias Platzeck, gerade Ministerpräsident geworden, als Arbeits- und Sozialminister ins Kabinett. „Ein Glücksgriff“, wie der Regierungschef später sagte. Baaske, der Extremsport liebt und mit Staatskanzlei-Chef Rainer Speer auf Paddeltouren geht, brachte das Arbeits- und Sozialministerium aus den Schlagzeilen, in die es durch laxen Umgang mit Fördermitteln geraten war. Er machte sich auch auf Bundes-Ebene einen Namen: Arbeitete an den Hartz-Reformen mit, kämpfte für ostspezifische Veränderungen.

Baaske liebte seinen Job als Arbeits- und Sozialminister. So sehr, dass es Platzeck einige Mühe kostete, ihn für die neue Aufgabe als Fraktionschef zu gewinnen. „Der zweitwichtigste Mann hinter Platzeck bekommt die zweitwichtigste Position“, analysieren die Strategen. Und: Für seine Persönlichkeitsentwicklung sei das nur gut. „Baaske wird seinen Stil ändern, das Husarenhafte ablegen müssen.“

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