Boxen : Mode: Historische Kleider im Schloss

Helmut Caspar

Vor Schloss Groß Rietz steht ein Schild mit der Aufschrift "Nutzer gesucht", Interessenten mögen sich bei der Brandenburgischen Schlösser GmbH in Potsdam melden. Ein Angebot, das die Berliner Mode-Sammlerin Josefine Edle von Krepl gerade recht kam: Sie organisierte eine Modenschau mit Schick der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts, eine Mischung von Kriegs- und Nachkriegsschneiderei, zwischen Arme-Leute-Kleid und Ballrobe. 500 Freunde und Sammler kamen zur Premiere in das Schloss nahe Beeskow.

Mit der Schau setzte die 57-Jährige ein Ausrufezeichen, will sie doch das alte Schloss in ein Modemuseum verwandeln. Josefine Edle von Krepl, die am Berliner Kollwitzplatz einen Laden für "Antikmode" hat, sucht dringend eine Unterkunft für ihre in mehr als 40 Jahren aufgebaute Sammlung von Kostümen samt Accessoires der letzten 100 Jahre. "Im Moment sind die Roben, Röcke, Blusen, Hüte, Taschen und Schuhe in Depots untergebracht, doch kann das keine Lösung auf Dauer sein. Die Stücke müssen sachgerecht präsentiert werden", sagt sie.

Aus einer österreichischen Familie stammend, die es während des Zweiten Weltkriegs ins brandenburgische Fürstenwalde verschlug, habe sie schon mit 14 Jahren angefangen, historische Kleider zu sammeln. Nach dem Abitur an einer Pankower Schule sollte sie Medizin studieren, doch wurde sie Modedesignerin, in den siebziger Jahren dann Modejournalistin in der damaligen Ostberliner Frauenzeitschrift "Für Dich". 1980 gelang es ihr, die erste private Boutique im Ostteil der Stadt zu eröffnen. Die "Boutique Josefine" in der Boxhagener Straße war ein Begriff. Lange währte die Selbständigkeit als Geschäftsfrau im Arbeiter-und-Bauern-Staat nicht, nach manchen Querelen gelang 1987 Josefine von Krepl die Ausreise mit ihren beiden Söhnen nach Westberlin. In Wilmersdorf übernahm sie eine Boutique, um dann nach dem Mauerfall zu ihren Ursprüngen in den Prenzlauer Berg zurückzukehren.

Bis heute ist es ihr indes nicht gelungen, in Berlin ein geeignetes Gebäude für die etwa 5000 Objekte umfassende Kollektion zu finden. Dabei gebe es genug leer stehende Räumlichkeiten. Die gleiche Situation zeige sich auch in Potsdam. Ein Modemuseum in dem alten Gemäuer von Schloss Groß Rietz wäre ein kultureller Höhepunkt in der Gegend und würde sicher auch Interessenten aus aller Welt anlocken, so Josefine von Krepl. Allerdings kann sie den Unterhalt des von der Schlösser GmbH von Dach bis Keller restaurierten Herrenhauses allerdings nicht bestreiten, jeder Pfennig geht in die Sammlung. Dafür werden noch Sponsorengelder gesucht. Auch die Schlösser GmbH sucht einen Ausweg und hofft, an Kunst, Architektur und Mode interessierte Geldgeber zu für den Plan zu begeistern.

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