• Morgen ist der Tag der Entscheidung für die Sechstklässler In Brandenburgs Grundschulen werden erstmals

Boxen : Morgen ist der Tag der Entscheidung für die Sechstklässler In Brandenburgs Grundschulen werden erstmals

die Prüfungen für den Gymnasialzugang geschrieben

Thorsten Metzner

Potsdam - Auch die Schüler von freien Schulen in Brandenburg müssen nach Vorgaben des Bildungsministeriums die umstrittenen landesweit einheitlichen Prüfungsarbeiten in der 6. Klasse schreiben. Das hat Christoph Schröder, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen, bestätigt – und zugleich weitere Proteste angekündigt. Schröder schließt nicht aus, dass freie Schulen gegen diese Reglementierung klagen werden. „Wir haben massive Bedenken insbesondere gegen den Prüfungscharakter dieser Arbeiten, der im Widerspruch zu pädagogischen Konzepten unserer Schulen steht“, sagt Schröder. Die Arbeitsgemeinschaft hält die Vorgabe für rechtswidrig und will sich dies durch ein Gutachten bestätigen lassen. Allerdings werden die freien Grundschulen die Vergleichsarbeiten voraussichtlich trotz der Bedenken nicht boykottieren, wenn diese am morgigen Freitag in allen 6. Klassen des Landes erstmals in Deutsch und am Montag in Mathematik geschrieben werden. Würden sich die Privatschulen verweigern, hätte dies laut Schröder für die betroffenen Schüler zur Folge, dass sie für die spätere Aufnahme am Gymnasium dann eine extra Eignungsprüfung absolvieren müssten.

Mit dem im Sommer beschlossenen neuen Schulgesetz hatte die SPD/CDU- Koalition die Hürden für den Zugang zu den Gymnasien erhöht: Alle 15 000 Schüler der 6. Klassen müssen die jeweils 45- minütigen einheitlichen Vergleichsarbeiten in Deutsch und Mathe schreiben. Besonders umstritten ist, dass nach den Vorgaben des Bildungsministeriums die Zensuren mit einem Anteil von 40 Prozent in die Mathe- und Deutsch-Zensur auf dem Halbjahreszeugnis eingehen, mit dem die Schüler sich an den Gymnasien bewerben. Zugleich darf für die Gymnasialzulassung die Summe der Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch nicht größer als 7 sein. Diese Kriterien sollen für alle gelten, auch für Schüler freier Grundschulen und für die Zulassung an privaten Gymnasien, sagt Stephan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums. Allerdings könnten etwa Waldorfschulen – wo es keine Noten gibt – Ausnahmen beantragen.

Die Sorgen vieler Eltern, dass Kinder nicht den Sprung aufs Gymnasium schaffen, wenn sie die Vergleichsarbeiten „verhauen“, halten das Bildungsministerium und die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU aber für unbegründet. SPD-Bildungsexpertin Clara Geywitz sagt, es gebe für solche Fälle die Möglichkeit, das unzureichende Halbjahreszeugnis durch eine Gymnasialempfehlung der Grundschule und einen Probeunterricht zu kompensieren. Sie begründet die Erhöhung der Hürden mit der bisher zu hohen Zahl von Schülern, die ein Gymnasium besuchten, ohne dessen Anforderungen gewachsen zu sein. Zugleich leiden die Oberschulen – gebildet aus den früheren Haupt- und Realschulen – vielfach unter Schülermangel. Hier einen Ausgleich zu schaffen, ist mehr oder weniger explizit ebenfalls ein Ziel des Bildungsministeriums bei der Neuregelung des Gymnasialzugangs. Bislang wechselt in Brandenburg etwa jeder zweite Grundschüler nach der 6. Klasse aufs Gymnasium.

Bei entsprechend vielen Eltern wächst nun der Unmut. Die Bildungsexpertin der Linken, Gerrit Große, erwartet, dass insbesondere in den großen Städten und dem Berliner Umland betroffene Eltern gegen die Vergleichsarbeiten klagen werden. „Es ist ein Fehler, Kinder dieses Alters in solche Stresssituationen zu bringen“, sagt Große. Auch seien die Kinder derjenigen Grundschulen benachteiligt, „an denen viel Unterricht ausgefallen ist“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar