Boxen : Motorsport: Ein Name als Mahnung

Claus-Dieter Steyer

Der Tod fährt beim Motorsport in jeder Runde mit. Ausgerechnet auf dem Eurospeedway Lausitz fand diese Binsenweisheit in der vergangenen Woche ihre traurige Bestätigung. Ausgerechnet? Bislang galt der mehr als 310 Millionen Mark teure Kurs als sicherste Strecke der Welt. Erfahrungen aus aller Welt flossen in das Projekt in einem früheren Tagebau ein. Fachleute feilten lange an der besten Variante für den Schutz von Zuschauern und Fahrern gleichermaßen. Doch alles half nichts. Michele Alboreto hatte bei Tempo 300 in seinem sich überschlagenden Audi keine Überlebenschance.

Auch wenn alles darauf hindeutet, dass ein geplatzter Reifen den Unfall auslöste, muss die Betreibergesellschaft um das Image ihrer Strecke bangen. Gerade erst vor acht Monaten eröffnet, wird das ohnehin sehr umkämpfte Geschäft um die Austragung internationaler Meisterschaften nun noch schwieriger. Auf so ein tragisches Ereignis dürften die Konkurrenten des Neulings nur gewartet haben. So hart sind die Regeln in dieser mörderischen Branche. Da kann die Geschäftsleitung noch so sehr argumentieren, dass der Unfall außerhalb des eigentlichen Grand-Prix-Kurses passierte. Die Schlagzeilen machten keinen Unterschied zwischen Renn- und Teststrecke.

In aller Welt interessierten sich plötzlich Redaktionen für den Kurs im Osten Deutschlands. Viele Medien erfuhren durch den Tod des Italieners sogar erstmalig von der Existenz des Lausitzringes. Auch das Audi-Team, in dessen Auftrag Arboreto den neuen "R 8" testete, offenbarte seine geografischen Lücken. Es schrieb in seiner Pressemitteilung über den Tod des Werksfahrers vom "sächsischen Lausitzring".

Dennoch löste die Berichterstattung über den Unfall keine Debatte über Sinn und Unsinn der von Mensch und Technik kaum noch beherrschbaren Geschwindigkeiten bei Renn- und Testfahrten aus. Schnell galt die Aufmerksamkeit wieder dem Formel-1-Zirkus. Doch die Frage, warum Werksfahrer in hochgezüchteten Autos mit mehr als Tempo 300 auf einer zwei Kilometer langen Geraden rasen müssen, dürfte nicht nur die Hinterbliebenen des Italieners bewegen.

Auf dem Lausitzring trägt die Teststrecke in Erinnerung an den toten Fahrer künftig dessen Namen. Das ist eine gute Idee zur Mahnung an die Unberechenbarkeit von Technik und Menschen. Auch die Betreiber der Rennstrecke werden umdenken müssen. Denn die Projektanten der Anlage waren von der Sicherheit offenbar so überzeugt, dass sie zu ganz eigenwilligen Fahnenmasten griffen. Diese lassen sich nicht auf Halbmast setzen, so dass auch am Unglückstag die Flaggen wie eh und je im Wind flatterten. Der Tod war nicht vorgesehen, obwohl er bei diesem Geschäft immer mitfährt.

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