Boxen : Mumien und schaurige Stories

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Illmersdorf. Der Wind streicht leise durch die Gruft und macht frösteln. Und nicht nur der: Seite an Seite stehen in dem hinteren Teil der Kirche in Illmersdorf zehn Särge mit elf mumifizierten Toten. Nur eine durchsichtige Plastikfolie trennt den Besucher von der ungewöhnlichen Grabesstätte, zu der Pfarrer Peter Krüger den Schlüssel hat. Zur Wiedereröffnung der restaurierten Fachwerkkirche von 1742 konnten Interessierte im Juni erstmals einen Blick auf zwei in Prachtgewändern gekleidete Mumien werfen. Ab Herbst soll die Gruft im südbrandenburgischen Kreis Spree-Neiße auf Dauer zugänglich sein. Zu DDR-Zeiten gab es Pläne, sie samt Kirche und dem ganzen Ort im Zuge des Braunkohlentagebaus abzubaggern. Heute leben in Illmersdorf 90 Menschen. Die morsche Kirche wurde seit 1996 für 409000 Euro restauriert. Ein Großteil waren Spenden und Fördermittel.

   Die Mumien wurden von dem Staub gereinigt. „Ansonsten haben wir nichts an ihnen verändert“, sagt Pfarrer Krüger. Nach seinen Worten sind die toten Körper in 200 Jahren auf natürliche Weise nicht verwest. „Es gibt keine Anzeichen von Nachhilfe.“ Die Toten vertrockneten, weil es in der Gruft eine gute Belüftung gibt. Ursprünglich lagen in den Särgen auch Grabbeigaben, wie ältere Einheimische erzählen. Die seien jedoch vermutlich spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg geplündert worden.

   In der Gruft liegen der Erbauer der heute denkmalgeschützten Kirche, Caspar Heinrich Ernst von Normann und einige Angehörige. In einem Sarg ist eine 1740 geborene und 1821 gestorbene Dame festgebunden. Dem Gerücht nach, erwachte die scheintote Frau bei ihrer Beisetzung und klopfte an den Sargdeckel. Da das Erbe schon verteilt gewesen sei, hätten die Nachkommen die alte Frau einfach festgebunden. Diese Schauergeschichte hält der Pfarrer für wenig glaubwürdig. „Mit diesen Schnüren kann man niemanden wirklich festhalten“, sagt er. dpa

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