Boxen : Nach dem Busunglück: Die Angst fährt wieder mit

Sandra Dassler

"Dieses Mal haben wir Glück gehabt" kommentierte ein Polizeisprecher sichtlich erleichtert den Busunfall im Kreis Oder-Spree, bei dem am Montag sieben Schulkinder leicht verletzt wurden. Die Ursache des Unglücks ist noch unklar. Von Glück kann nur reden, wer das "andere Mal" vor Augen hat: den schweren Schulbusunfall von Altlandsberg, der am 30. November 1999 vier Kindern und den Busfahrer das Leben kostete.

Nicht nur bei Polizisten und Eltern kamen gestern die Erinnerungen an das schreckliche Unglück hoch, an die Bilder von der völlig zerschmetterten Vorderfront des Busses, herausgerissene Sitze und die leblosen Körper der Kinder - auch Ronald Schunke und die Mitarbeiter des Projekts "Schulbusbegleitung" in Strausberg haben einen Moment innegehalten. "Nach dem Unfall von Altlandsberg ist durch die Betroffenheit der Eltern und eine große Öffentlichkeit vieles angeschoben worden", sagt Roland Schunke, "aber übrig geblieben ist wahrscheinlich nur unser Pilotprojekt." Immerhin. Seitdem die acht ABM-Mitarbeiter insgesamt 27 Linien betreuen, auf der sowohl Schulbusse als auch Linienbusse mit Schülern verkehren, ist die Situation besser geworden. Die psychologisch geschulten Begleiter fungieren als Ansprechpartner und Respektpersonen. Mutwillige Zerstörung in den Bussen, aufgeschlitzte Polster oder beschmierte Scheiben sind seltener geworden, dafür fühlen sich Busfahrer und kleinere Schüler sicherer. Nach dem Albtraum von Altlandsberg hatten sich Eltern und Busunternehmer mit Vertretern der zuständigen kommunalen Behörden und der brandenburgischen Ministerien zusammengesetzt und über Möglichkeiten beraten, wie solche schweren Unfälle künftig vermieden werden können. Bis heute ist nicht restlos geklärt, ob damals ein 12-jähriger Junge versehentlich die Verriegelung des Fahrersitzes löste und den Fahrer damit so erschreckte, dass dieser das Lenkrad überriss. Im Zuge der Ermittlungen und öffentlichen Diskussionen wurden aber einige Probleme des Transports von Schulkindern offenkundig. So fühlten sich Fahrer zunehmend von randalierenden Kids und Teenagern bedroht, Bushaltestellen waren unzureichend gesichert, die Sitzplätze in normalen Linienbussen reichten für die Schüler oft nicht aus. "Das Problem ist, dass überall gespart wird", meinte Gunther Mörl. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer erneuerte gegenüber dem Tagesspiegel seine Forderung nach Schulbusbegleitern für ganz Deutschland: "Eigentlich müsste das schon als Forderung in den Ausschreibungen der staatlichen Genehmigungsbehörden stehen, aber die kann jedes Amt nach Belieben handhaben - es sei denn, die Eltern machen Druck."

Abgesehen davon verwies Mörl darauf, dass der Bus immer noch das mit Abstand sicherste Verkehrsmittel für Schüler ist - weitaus mehr Jugendliche verunglücken zu Fuß, mit dem Rad, Moped oder im Auto der Eltern. Auch sei die Zahl der Schulbus-Unfälle in Brandenburg nicht höher als anderswo, dennoch sei jedes Unglück eines zuviel.

Die Begleiter vom Strausberger Pilotprojekt würden ihre Erfahrungen gerne weitergeben. Danach gefragt wurden sie bisher nur von einer Cottbuser und einer Prignitzer Gesellschaft.

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