Boxen : Nach Mastbruch im Golf von Mexiko zurück am Scharmützelsee

CLAUS-DIETER STEYER

47jähriger Außenhandelskaufmann aus Bad Saarow ging mit einem zehn Jahre alten DDR-Boot auf große Tour und mußte nach zwei Dritteln der Reise SOS funkenVON CLAUS-DIETER STEYER BAD SAAROW.Die Barfußroute kam für den ersten Brandenburger Weltumsegler Horst Scholz aus Bad Saarow nicht in Frage."Als Ossi zog es mich natürlich ostwärts, entgegen aller Erfahrungen und Erlebnisberichte meiner Vorgänger", sagt der 47jährige studierte Außenhandelskaufmann.Deshalb startete er zu seiner abenteuerliche Route von Europa eben nicht wie die meisten Segler westwärts in Richtung Amerika, sondern übers Mittelmeer in den Indischen Ozean, nach Indonesien, Japan, USA und Panama.Fast zwei Jahre dauerte seine Reise, die abrupt im Golf von Mexiko endete.Sein Boot war nach einem Bruch des Mastes nicht mehr zu halten.Vor einigen Tagen ist er an den heimischen Scharmützelsee zurückgekehrt. Die Barfußroute hat ihren eigentümlichen Namen durch das auf dieser Strecke von Westeuropa nach Mittelamerika vorherrschende Klima erhalten.Segler halten Kurs in der Nähe das Äquators, so daß sie bei warmen Wetter getrost ihre Schuhe ausziehen und den Rückenwind genießen können."Die hebe ich mir für die nächsten Jahre auf", meint Scholz.Er hat vom Segeln trotz der gerade beendeten Reise noch lange nicht die Nase voll.Nur eines würde er auf jedem Fall anders machen: Nie wieder allein starten."Ich habe an so schönen Stränden gelegen und so phantastische Gegenden erlebt, doch ich hätte mich gern mit anderen Leuten daran gefreut." Den Traum von einer Reise übers offene Meer hatte der gebürtige Sachse schon lange Zeit gehegt.Doch auf der Ostsee war bis 1989 spätestens nach drei Seemeilen Schluß.Nach der Wende stand zwar die Welt offen, nur das Geld reichte nicht für solch einen ausgiebigen Urlaub.Also sparte Scholz eisern.Ursprünglich wollte er zu viert starten.Doch die Frau seines Freundes bekam es vor der Abfahrt mit der Angst zu tun.Das Paar sprang ab, und auch die eigene Ehefrau verzichtete schließlich."Ich aber war schon heiß und so entschloß ich mich zur Alleinfahrt", erzählt der Abenteurer.Der Job wurde wurde gekündigt.30 000 Mark umfaßte die Reisekasse. Das Boot erregte unterwegs überall durch seine kleinen Ausmaße Aufmerksamkeit.Es handelte sich um ein acht Meter langes Kunststoffschiff des Typs "Hiddensee", das in Eigenregie nach einem Baukastensystem entstand.Zehn Jahre hatte es bereits auf dem Scharmützelsee und anderen Binnenseen treue Dienste geleistet.Der Außenbordmotor schaffte lediglich 10 PS.Solarzellen wurden montiert und Petroleumkocher gekauft.Der Wasservorrat bestand aus 120 Litern.Dieser erwies sich auf den langen Abschnitten ohne Landgang als zu gering.Allein 46 Tage lang segelte Horst Scholz zwischen Japan und Kanada "an einem Stück" völlig allein.Von den Segeln fing er deshalb Regenwasser auf.Eine Verbindung zur Außenwelt stellte er lediglich durch ein kleines UKW-Funkgerät her. Besuch erhielt er während der einsamen Touren allein vom Klabautermann.Er hörte Stimmen, sprach mit Töpfen und den fliegenden Fischen.Zu allem Unglück kugelte er sich auf so einem Alleinritt die Schulter aus, so daß er nur noch mit einer Hand das Ruder halten konnte.Sie renkte sich irgendwann von selbst wieder ein.Er legte sich nur stundenweise zur Ruhe.Einmal wachte er ungewollt am Strand einer unbewohnten Insel auf.Der Kurzzeitwecker, der nach einer Stunde klingeln sollte, hatte versagt.So trieb das Boot führungslos über gefährliche Riffe an Land.Helle Aufregung brachte der Bruch der Selbststeueranlage.Das Salz hatte die Verankerung zerfressen und der Sturm ganze Arbeit geleistet.Tagelang hing er mit einer Hand am Steuer fest. Treue Reisebegleiter waren Wale."Sie wichen lange Zeit nicht von meinem Boot.In Erinnerung ist vor allem das Geräusch der Tiere beim Ausatmen.Es hörte sich an, als ob ein Reifen platzen würde", erinnert sich der Segler.Die Verpflegung bestand unterwegs fast immer aus Spaghetti, Konservensuppen oder Fischen. In Erinnerung bleibt vor allem die Gastfreundschaft unterwegs.An den abgelegensten Orten traf er auf Landsleute.Selbst Ossis aus Berlin, Riesa oder Fürstenwalde hätten in tropischen Regenwäldern oder geheimnisvollen Inseln plötzlich vor ihm gestanden. Seine ungewöhnliche Reise endete nach 25 482 Seemeilen im Golf von Mexiko.Der Mast des Bootes war im Sturm gebrochen und hatte die Oberfläche stark beschädigt.Ein Wassereinbruch war trotz aller Mühen nicht zu verhindern.Wohl oder übel mußte er einen polnischen Frachter um Hilfe bitten.Von Bord aus sah er, wie sein geliebtes Boot zwei Stunden später in den Fluten versank. Seine wichtigste Erfahrung beschreibt er in einem Satz: "Bei guter Gesundheit ist fast alles zu schaffen." Er sei ruhiger geworden und denke öfter nach, was wirklich im Leben zählt.In den nächsten Tagen begibt er sich auf Suche nach einem neuen Arbeitsplatz."Wenn ich nach einem halben Jahr noch nichts gefunden habe, ziehe ich wieder los.Ich habe in vielen Ländern interessante Jobs kennengelernt.Es muß nicht immer Deutschland sein", sagt Horst Scholz.

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