Nach Wiederansiedlung : Wolf wütet im Hirschgehege

Im hundert Kilometer von Berlin entfernten Wittstock werden immer wieder Tierherden von einem Wolf attackiert, mehrere Tiere wurden bei den Angriffen bereits getötet. Die Züchter sind verzweifelt: Ihre Herdentiere sind leichte Beute.

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Schrecken der Landwirte und Tierzüchter: In Wittstock hat ein Wolf bereits 27 Damhirsche getötet, vorige Woche griff er im Müritzkreis eine Rentierherde an.
Schrecken der Landwirte und Tierzüchter: In Wittstock hat ein Wolf bereits 27 Damhirsche getötet, vorige Woche griff er im...Foto: dapd

Brandenburg hat einen Problemwolf, der über die Landesgrenzen hinaus für Ärger sorgt. Der auf dem früheren Truppenübungsplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide herumstreunende Wolf macht Landwirten im Nordwesten der Mark, etwa 100 Kilometer von Berlin entfernt, zu schaffen. Binnen weniger Wochen ist der Wolf vom Bombodrom in drei Gehege eingedrungen und hat in der Region rund um Wittstock 27 Damhirsche getötet und vorige Woche hinter der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern im Müritzkreis eine Rentierherde angegriffen. Drei dieser zwölf Tiere sind tot, zwei verletzt worden.

Rentierzüchter Hans Fehrmann aus Schwarz ist verzweifelt. „Wir haben ganz frische Spuren gefunden, wo er den Zaun untergraben wollte, aber es ist ihm nicht gelungen“, sagte er. Zum Glück war die Herde nachts in einem Unterstand. Fehrmann will nun Elektrozäune aufbauen, vom Land soll er eine Entschädigung bekommen. Vergangenes Jahr hatte der Wolf in Groß Haßlow 24 Tiere in einem Damwildgehege erlegt, Anfang Januar schlug er in Gadow zu, 13 von 14 Tieren waren tot, nur der Bock des Rudels überlebte die Attacke. Fehrmann sieht nun seine Zuchterfolge in Gefahr und fordert drastische Maßnahmen gegen den Wolf. Er nennt die Wiederansiedlung in der Region eine „romantische Illusion“, das Tier müsse dort ausgesetzt werden, wo es herkommt.

Das aber dürfte schwierig werden, die Tiere legen weite Strecken zurück. „Die Wölfe sind im ganzen Land“, sagt Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes. Insgesamt sind es knapp 30 Stück, vorwiegend leben sie an acht Stellen auf alten Übungsplätzen des Militärs oder in Tagebaulandschaften. Und sie stehen unter Schutz. „Ein Wolf frisst nur so viel, wie er braucht“, sagt Freude. „Aber in einem Gehege macht Wolf so lange weiter, bis nichts mehr seinen Jagdinstinkt reizt.“ Norman Stier, der ein Forschungsprojekt an der TU Dresden leitet und Wolfsmanagementpläne für ostdeutsche Bundesländer erarbeitet, hat die jüngste Attacke des Wolfes nach den ersten Fällen schon erwartet, „wir konnten aber nicht mehr alle Tierhalter informieren“. Einzelne Wölfe hätten gelernt, dass Wildtiere in Gehegen „leichte Beute“, sind.

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