Nahverkehr : Brandenburg wehrt sich gegen höhere BVG-Preise

Brandenburg widersetzt sich den Tarifplänen von S-Bahn und BVG für das Wahljahr 2009. Die Preiserhöhungen sind damit fast vom Tisch.

Klaus Kurpjuweit

Die von der BVG und der S-Bahn für nächstes Jahr fest eingeplante Tariferhöhung ist – fast – vom Tisch. Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) lehnt höhere Fahrpreise innerhalb des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) ab und hat die Verkehrsunternehmen in Brandenburg aufgefordert, gegen eine Tariferhöhung zu stimmen. Neue Preise müssen vom VBB beschlossen werden, in dem die Brandenburger die Mehrheit bilden.

Die BVG und die S-Bahn wurden von dem Schritt Dellmanns völlig überrascht. In ihren Kalkulationen ist die Tariferhöhung längst enthalten. Beide Unternehmen wirbeln inzwischen gewaltig, um Dellmann umzustimmen – bisher vergeblich. Bei der letzten Tariferhöhung im April 2008 sei vereinbart worden, für die kommenden zwei Jahre die Preise stabil zu halten, sagte Dellmanns Sprecher Lothar Wiegand. Von einer solchen Vereinbarung will man in Berlin jedoch nichts wissen. Die BVG und die S-Bahn bestehen darauf, die Preise auch im nächsten Jahr zu erhöhen, und zwar möglichst schnell.

Einzelfahrschein könnte 40 Cent teurer werden

Im Gespräch ist bereits, den Preis für den Einzelfahrschein von 2,10 Euro auf 2,30 Euro oder sogar auf 2,50 Euro zu erhöhen. Während nach den Vorstellungen der BVG ermäßigte Sozialtarife nicht oder nur gering erhöht werden sollen, wollen die Berliner Verkehrsunternehmen vor allem bei den „Vollzahlern“ zulangen. Diese Kunden hätten in Berlin ein höheres Durchschnittseinkommen als die Nutzer des Nahverkehrs im übrigen Bundesgebiet, argumentiert die BVG. Zudem seien die Preise für Fahrten mit Bahnen und Bussen in Berlin und Brandenburg in den vergangenen Jahren nicht so stark gestiegen wie anderswo in Deutschland.

Nach Ansicht des Verkehrsverbundes sollen die Preise im Nahverkehr in den nächsten Jahren nicht höher steigen als die Inflationsrate, die derzeit bei etwa drei Prozent liegt. Zuletzt stiegen die VBB-Preise in Berlin durchschnittlich um 1,58 Prozent, in Brandenburg dagegen um 2,03 Prozent. Die Berliner Durchschnittserhöhung ist geringer, weil hier seit mehreren Jahren die Preise für den Einzelfahrschein sowie für die Schüler- und Geschwistertickets konstant sind.

Junge-Reyer fordert Seniorenticket

Dies hatte jeweils Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) durchgesetzt, deren Verwaltung neue Nahverkehrstarife genehmigen muss. Junge-Reyer hatte auch darauf bestanden, wieder ein Seniorenticket anzubieten, das bei der nächsten Tariferhöhung eingeführt werden soll. Ob es dazu noch kommt, wenn sich Brandenburg mit seiner Ablehnung von höheren Preisen durchsetzt, ist ungewiss.

Dellmann spielt hier intern einen weiteren Trumpf aus. Brandenburg habe mitgetragen, dass die Preise im VBB im Jahr 2006 stabil geblieben seien – als in Berlin das Abgeordnetenhaus neu gewählt wurde. Und 2009 wählen die Brandenburger ihren Landtag neu. Tariferhöhungen im Nahverkehr sind immer unpopulär. Und wenn der rot-rote Senat in Berlin 2006 die Fahrgäste von einer Preiserhöhung verschont habe, stünde dies, argumentiert Dellmann, nun auch den Brandenburgern zu – zum Vorteil auch der Nutzer in Berlin.

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