Nahverkehr : Hinter der Zonengrenze

Klaus Kurpjuweit ärgert sich über den Preisanstieg für S-Bahn-Fahrten nach Schönefeld. Der Berliner Vorort gehört ab April zur teureren C- Zone, damit steigt der Fahrpreis um 70 Cent. Abzocke oder gerechtfertigt?

Klaus Kurpjuweit

Gleich um 33,3 Prozent teurer wird im nächsten April eine Fahrt aus der Berliner Innenstadt zum Flughafen Schönefeld. Der Flughafen liegt dann wieder im Tarifgebiet C, weshalb ein ABC-Fahrschein erforderlich ist. Und der kostet nach der beschlossenen Tariferhöhung dann 2,80 Euro. Heute reicht noch ein AB-Ticket zum Preis von 2,10 Euro, denn bisher zählte Schönefeld sowohl zum Tarifgebiet B als auch zu C. Ein Einzelfall im Netz des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Damit sollte deutlich gemacht werden, dass Schönefeld zwar auf Brandenburger Gebiet liegt, aber doch ein Flughafen vor allem für Berlin ist.

Den Berliner Verkehrsbetrieben BVG und der S-Bahn sind solche Überlegungen aber schnuppe. Bei der jetzigen Regelung entgeht ihnen schließlich viel Geld. 70 Cent pro Einzelfahrt wären es im nächsten Jahr, denn der AB-Fahrschein kostet weiterhin „nur“ 2,10 Euro. Dass der Flughafen preislich dann weit außerhalb von Berlin liegt – und AB-Monatskartenbesitzer sich umständlich einen Anschlussfahrschein kaufen müssen –, ist den Verkehrsunternehmen egal.

Der geplante AirportExpress macht die Fahrt noch teurer

Und den Politikern wohl auch. Sie haben im VBB-Aufsichtsrat dem Wunsch der Verkehrsbetriebe zugestimmt. Auch das lässt sich nachvollziehen. Schließlich gibt es Pläne, die Fahrt mit der Bahn nach Schönefeld noch teurer zu machen. Zum neuen BBI-Flughafen soll eines Tages am Berliner Hauptbahnhof ein AirportExpress starten. Und dieser soll kostendeckend fahren, was zu einem Fahrpreis um die zehn Euro führen dürfte.

Wenn die Fahrt mit dem Bus, der S-Bahn oder der Regionalbahn demnächst aber auch schon fast drei Euro kostet, ist die Differenz zum Preis im – schnelleren – Airport-Express nicht mehr ganz so gewaltig. Und dann ließen sich sicher auch mehr Kunden für diese teuren Fahrten finden. Kein Wunder, dass die Politiker aus Berlin und Brandenburg im VBB-Aufsichtsrat dem enormen Preissprung bei den Einzelfahrscheinen ab dem nächsten Jahr zugestimmt haben.

Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Der Beschluss ist wohl doch eher eine Abzocke der Fahrgäste.

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