Boxen : Neuer BSE-Fall in Brandenburg

Claus-Dieter Steyer

BSE-Alarm in Brandenburg: Zum dritten Mal seit Januar vergangenen Jahres wurde die Krankheit bei einem Rind im Land festgestellt. Die betroffene Kuh stammt aus einem Landwirtschaftsbetrieb in Großwoltersdorf bei Gransee.

Das Tier wurde dort vor knapp fünf Jahren geboren und stand bis zum 27. Dezember im Stall. An jenem Tag kam sie in den Schlachthof Kasel-Golzig bei Luckau, wo der erste BSE-Test des Fleisches positiv ausfiel. Eine anschließende Laboruntersuchung in der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten bestätigte den Verdacht. Der Oranienburger Amtstierarzt veranlasste in dem betroffenen Betrieb die Tötung von 76 Tieren der so genannten Kohorte. Sie umfasst jene Rinder, die mit der BSE-infizierten Kuh aufwuchsen. Außerdem erhielten die vier noch lebenden Nachkommen die Giftinjektion in den Hals.

Dieter Lamprecht, Geschäftsführer der aus einer LPG nach der Wende hervorgegangenen Landwirtschaftsgesellschaft Großwoltersdorf, kann sich den BSE-Fall in einem der Ställe nicht erklären. "Wir tappen völlig im Dunkeln", sagte er gestern. "Die Kuh verhielt sich keineswegs auffällig, so dass wir von der Nachricht des Schlachthofes völlig überrascht waren." Die Folgen für seinen Betrieb mit 25 Beschäftigten seien noch gar nicht abzuschätzen. Mit einer halben Million Euro Verlust müsse er auf jeden Fall rechnen.

Getötet seien ausgerechnet jene Tiere seines insgesamt 520 Tiere umfassenden Bestandes, die im Leistungszenit standen. Sie brachten die meiste Milch und auch die besten Kälber zur Welt. Der BSE-Kuh wurde am 1. März 1996 geboren. Sämtliche zwischen dem 1. März 1995 und dem 28. Februar 1997 in der Großwoltersdorfer Anlage geborenen Rinder mussten nach der Kohorten-Regelung der EU beseitigt werden. "Es wird wohl fünf bis sechs Jahre dauern, um die alte Leistungsfähigkeit wieder herzustellen", so der Geschäftsführer. Er hoffe auf schnelle Zahlungen aus der Tierseuchenkasse und auf öffentliche Mittel. Sonst seien Arbeitsplätze in Gefahr.

Der Oranienburger Amtstierarzt Ralf Schönherr bestätigte gestern, dass in Großwoltersdorf alle hygienischen Vorschriften eingehalten wurden. "Es kam zu keinem Kontakt der Rinder zu Ziegen oder Schafen, so dass wir die Ansteckungsgefahr ausschließen können", teilte Schönherr mit. Der Betrieb sei abgesperrt. Nur unbedingt notwendige Transporte würden erlaubt. Mit Spannung erwartet Schönherr die Untersuchung der Gehirne jener 80 notgeschlachteten Tiere. "Wir können nicht ausschließen, dass weitere Rinder erkrankt sind." Allerdings würde das den bisherigen Erfahrungen widersprechen. Die 129 in Deutschland registrierten BSE-Fälle traten in 126 Betrieben auf. "Es handelt sich also bei BSE um eine typische Einzeltiererkrankung, deren Ursachen nach wie vor ungeklärt sind." Die Laborwerte für die 80 Tiere aus Brandenburg werden für den heutigen Donnerstag nachmittag erwartet. Bei einem positiven Ergebnis müsste höchstwahrscheinlich der gesamte Bestand getötet werden.

BSE-Tests sind in den Schlachthöfen erst seit Dezember 2000 gesetzlich vorgeschrieben. Die ersten Nachkommen der BSE-Kuh aus Großwoltersdorf landeten aber schon 1998 auf der Fleischtheke. "Wir nehmen an, dass sie gesund waren", sagte der Amtstierarzt. Eine Garantie gebe es dafür aber nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben