Boxen : Neuer Skandal im Maßregelvollzug

Freigänger missbrauchte Kinder

Sandra Dassler

Eberswalde. Während die Politiker in Brandenburg gestern noch das klare Urteil gegen den Mörder Frank Schmökel begrüßten, schockierte eine neuerliche Straftat eines im Maßregelvollzug untergebrachten Verbrechers die Öffentlichkeit. Wie die Polizei und eine Sprecherin des Landesamtes für Soziales und Versorgung mitteilten, soll ein Mann in der Landesklinik Eberswalde zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren sexuell missbraucht haben.

Der 38-Jährige sitzt wegen sexueller Nötigung mit Körperverletzung im Maßregelvollzug Eberswalde. Für die Straftat soll er einen Freigang ausgenutzt haben. Die beiden Jungen befanden sich nach Polizeiangaben zur Behandlung in der der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Landesklinik Eberswalde. Der mutmaßliche Täter war 1993 angeklagt, für nicht schuldfähig befunden und in den Maßregelvollzug eingewiesen worden. Wie es zu dem Zusammentreffen mit den Kindern kommen konnte, ob es bereits vorher ähnliche Straftaten gab, war gestern noch unklar. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) hat gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und will sich heute ausführlicher zu dem Vorgang äußern.

Der Vorfall hat die Diskussionen um den Maßregelvollzug in Brandenburg erneut entfacht. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hatte im Zusammenhang mit der Verurteilung Schmökels darauf hingewiesen, dass der Anteil von Sexualstraftätern im Maßregelvollzug dramatisch zugenommen hat – nahezu jeder zweite dort Inhaftierte wurde wegen sexuellem Missbrauch von Kindern verurteilt.

Der brandenburgische BDK-Landesvorsitzende, Wolfgang Bauch, sagte dem Tagesspiegel, in keinem anderen Bundesland gäbe es einen solch lockeren Umgang mit Straftätern im Maßregelvollzug. Man habe den Eindruck, dass hier der Grundsatz „Therapie vor Sicherheit“ gelte und nicht wie in anderen Ländern „Sicherheit vor Therapie“. „Die Sicherheit der Bevölkerung ist da offenbar nicht das wichtigste Kriterium“, kritisierte Bauch. „Auch bei Schmökel gab es seit langem warnende Stimmen. Wären sie gehört worden, hätte es die letzten Opfer gar nicht geben müssen.“ Niemand wolle den Maßregelvollzug in Frage stellen, sagte Bauch. Er könne aber nicht verstehen, warum bei Entscheidungen über Freigänge nicht jene Kriminalisten einbezogen würden, die den Fall einst betreuten.

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