Boxen : Nikolaisaal in Potsdam: Hier spielt die Musik

Frederik Hanssen

Das klingt gut: Potsdams neuer Konzertsaal wird vom Publikum angenommen. Seit der Eröffnung des schicken, futuristisch anmutenden 725-Plätze-Saals mit der hervorragenden Akustik im August vergangenen Jahres konnten die Betreiber bereits 38 000 Gäste begrüßen. Damit liegt die durchschnittliche Auslastung bei erfreulichen 73 Prozent. Herausragende Publikumserfolge unter den bislang 94 Veranstaltungen waren dabei Abende mit internationalen Stars wie Loriot, der auf seine unverwechselbare Art Saint-Saëns "Karneval der Tiere" kommentierte, oder der Auftritt der Wiener Sängerknaben. Aber auch das Konzert, bei dem das Filmorchester Babelsberg Stummfilme von Charlie Chaplin live begleitete, wurde zum bejubelten Ereignis.

Bei den traditionellen Symphoniekonzerten allerdings verzeichnete man bisher eine Auslastung von weniger als 50 Prozent. Das mag zum großen Teil daran liegen, dass die Stadt ihre eigene Brandenburgische Philharmonie Potsdam eben zu dem Zeitpunkt auflöste, als mit dem Nikolaisaal endlich ein würdiger Spielort für das Orchester zur Verfügung stand. Ein Schildbürgerstreich, über den die gesamte Musikszene Deutschlands fassungslos den Kopf schüttelte.

Um die hinterbliebene Lücke zu füllen, müssen jetzt notgedrungen die Orchester aus Brandenburg (Havel) und Frankfurt (Oder) regelmäßig zu Gastspielen in den Nikolaisaal anreisen. Aber nur in dieser Spielzeit. Zu den Merkwürdigkeiten der Potsdamer Kulturpolitik gehört nämlich, dass man gleichzeitig mit der Abwicklung des Sinfonieorchesters die Gründung eines Kammerorchesters beschloss. Statt 67 Musiker wird das neue kammerphilharmonische Orchester Potsdam, ein Zusammenschluss des Berliner "Ensemble Oriol" und des Potsdamer "Persius-Ensemble", nur noch 29 Mitglieder haben. Ab Herbst soll das Orchester 20 Konzerte pro Saison präsentieren.

Kammermusik im großen Konzertsaal

Dementsprechend reduziert sich die Zahl der Gastauftritte des Staatsorchesters Frankfurt (Oder) und die der Brandenburger Symphoniker von sieben auf sechs Konzerte in der Spielzeit 2001/2002. Damit ist der Frankfurter Orchesterdirektor Peter Wolfshöfer allerdings nicht zufrieden. Er will in der kommenden Saison gerne zehn Mal mit verschiedenen Programmen nach Potsdam kommen.

Die zehnteilige Sinfoniekonzert-Reihe aber sollen sich die Frankfurter nach dem Willen der Nikolaisaal-Betreiber künftig mit dem Potsdamer Stadtorchester teilen. Da gibt es also noch einigen Gesprächsbedarf.

Den geplanten Theater- und Orchesterverbund zwischen Potsdam, Brandenburg (Havel) und Frankfurt (Oder) stellt Orchesterdirektor Peter Wolfshöfer allerdings nicht in Frage. Das ist auch gut so, denn nach jahrelangen Verhandlungen mit den verschiedenen Amtsinhabern im Kulturministerium soll der Verbund-Vertrag in wenigen Wochen endlich unterzeichet werden. Er sieht vor, dass die beteiligten Städte Produktionen ihrer Kulturinstitutionen untereinander austauschen, und das Land Brandenburg bis Ende 2002 dafür die Hälfte der Kosten trägt - das sind immerhin gut 82 Millionen Mark.

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