Boxen : Noch kein Urteil im Freigang-Prozess

Psychiater ließen Verbrecher raus

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Potsdam. Die für gestern geplante Urteilsverkündung im Pilot-Prozess gegen zwei Psychiater, die einem Schwerverbrecher unbeaufsichtigten Ausgang gewährt hatten, wurde auf kommenden Freitag verschoben. Der Vorsitzende Richter am Potsdamer Landgericht begründete die Entscheidung mit „noch mehr Beratungsbedarf als zunächst absehbar“. Zuvor hatte auch der Verteidiger des zweiten Angeklagten Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Die Verhandlung habe nicht erwiesen, dass die Mediziner in der psychiatrischen Landesklinik ihre ärztliche Sorgfaltspflicht verletzt hätten, als sie ihrem vielfach vorbestraften Patienten Raymond Sch. schon nach wenigen Tagen Spaziergänge im Klinikpark erlaubten, sagte der Anwalt. Sch. war geflüchtet und hatte danach mehrere alte Frauen beraubt, vergewaltigt und zwei von ihnen ermordet. Erst nach neun Monaten wurde er gefasst und später in Berlin zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im jetzigen Prozess müssen sich zum ersten Mal Psychiater für Folgen einer nach ärztlichem Ermessen getroffenen Entscheidung verantworten. Der Staatsanwalt hatte für beide je ein Jahr Haft auf Bewährung und 10 000 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gefordert.obs

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