Boxen : Noch Platz im Paradies

Am Eröffnungstag der „Tropical Islands“ kamen weniger Besucher als erwartet. Richtig warm wurde es erst am Nachmittag

Claus-Dieter Steyer

Brand - Nicht nur die Polizei hatte am Sonntag einen großen Ansturm auf den neuen Freizeitpark „Tropical Islands“ in Brand erwartet. Auch der malaysische Unternehmer Colin Au hatte für den Eröffnungstag seiner Tropenhalle mit rund 10 000 Besuchern gerechnet. So ließ die Polizei am frühen Morgen auf der Autobahn Berlin-Dresden mehrere Kilometer vor der Ausfahrt Staakow die Geschwindigkeit der Autofahrer drosseln und ein „Stau“-Warnschild aufstellen.

Aber der Verkehr hielt sich im Rahmen; bis zum Nachmittag lösten 3000 Besucher ihr Ticket für Wasser, Strand und Palmen. Da für die Show „Viva Brasil“ am Abend 1200 Kartenbestellungen vorlagen, rechnete das Management mit einem Tagesbesuch von etwa 6000 Gästen. 5000 müssen täglich kommen, damit das Projekt sich rechnet. Für einen vierstündigen Aufenthalt waren gestern 20 Euro zu zahlen, jede weitere Stunde kostete wieder einen Euro. Das Angebot von „Berlin Linien Bus“, für fünf Euro von Berlin nach Brand und zurück zu fahren, nutzten um zehn Uhr nur drei Fahrgäste.

Jana Salzbach aus Luckau hatte sich die Halle schon in der Bauphase angesehen. „Nun waren wir gespannt, wie es geworden ist. Und ich bin beeindruckt. Das Badeparadies ist sehr gut – man darf nur nicht nach links und rechts schauen.“ In der Tat ist der Umbau noch nicht komplett. Der Sand für das Beachvolleyball-Feld ist noch zu Haufen aufgeschüttet, Baufahrzeuge stehen am Rand.

Immerhin: Wer am Nachmittag die 60 Kilometer südlich Berlins gelegene Halle erreichte, konnte sich tatsächlich an den versprochenen 25 bis 28 Grad Celsius Lufttemperatur erfreuen. Am Vormittag hatten einige Gäste noch über die kühle Luft geklagt, liefen in Jacken durch den tropischen Dschungel. „Der muss noch wachsen und sich erholen“, lautete der häufigste Kommentar auf dem 900 Meter langen Weg durch die Pflanzen: Denn viele von diesen kämpfen noch mit dem Staub aus der Bauphase und dem fehlenden Sonnenlicht. Erst im Laufe der nächsten Wochen soll eine durchsichtige Membran in die Außenwand gehängt werden und mehr natürliches Licht in die Halle lassen.

Der meiste Andrang herrschte erwartungsgemäß an den beiden Badebecken. Am Nachmittag war gut die Hälfte der mehr als 2000 Liegestühle besetzt. Wenn der Eindruck nicht täuschte, entspannten hier überwiegend Menschen aus der näheren Umgebung und aus Sachsen.

„Kokospalmen, warmer Strand, klares Wasser und exotische Klänge – da kann man sich schon weit weg träumen“, sagte Heidrun Walther aus Cottbus, die mit ihrem Mann und den zwei Kindern gekommen war. „Allerdings stören bei dem Traum die kahlen Metallwände“, merkte Ehemann Rainer an. „Man badet irgendwie in einer großen Fabrikhalle. Da funktioniert die Illusion der Tropenlandschaft nicht.“ Ähnliches könnte man auch über das Essens-Angebot sagen. Es gibt Hähnchenkeulen, Bouletten, Currywurst (2,20 Euro), Kartoffelsalat. Anderswo Spaghetti und Hamburger. Nur eine der vier „Paradies-Küchen“ bietet mit Red Chicken Curry (6,50 Euro) und Sushi halbwegs fremdländische Speisen an – dieser Stand jedoch machte den geringsten Umsatz. Cocktails kosten um die 7,50 Euro, ein Weißbier 2,90 Euro.

Gekleidet in Jeans-Hemd, grüne Hose und Joggingschuhe kümmerte sich „Tropical Islands“-Chef Colin Au gestern persönlich um die Abläufe in der Halle. Er prüfte das Wasser, kontrollierte Toiletten – und beauftragte seine Ingenieure mit der Beseitigung eines nicht eingeplanten Problems: tropfendes Kondenswasser vom kalten Hallendach. Vor Sonntag war der 107 Meter hohe Koloss noch nie auf mehr als 25 Grad Celsius aufgeheizt worden.

Aber Au ließ sich die Stimmung nicht verdrießen. Freundlich lächelnd wie immer erklärte er: „Die Einmaligkeit unserer Halle wird sich noch herumsprechen. Ich mache mir nach dem ersten Tag keine Sorgen über den Erfolg.“

Die Tropenhalle in Brand ist täglich rund um die Uhr geöffnet. Informationen unter Tel. 035477-60 50 50 oder im Internet bei www.my-tropical-islands.com

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