Boxen : Noel Martin verschiebt Freitod

Potsdam/Birmingham – Das, was viele Menschen in aller Welt erhofft haben, geschieht tatsächlich: Noel Martin, der Mann aus Birmingham, den Neonazis in Mahlow vor zehn Jahren durch eine Attacke zum Pflegefall gemacht haben, wird doch nicht wie angekündigt am 23. Juli aus dem Leben scheiden. Der querschnittgelähmte Brite, der auf Rollstuhl und Pflegekräfte angewiesen ist, verschiebt den an seinem 48. Geburtstag geplanten Freitod auf unbestimmte Dauer: Er brauche noch Zeit, bürokratische Dinge zu erledigen, sagt er. Der Witwer will etwa regeln, dass sein Haus nicht an den Staat fällt, sondern Charityprojekten zugute kommt.

Martin konnte zuletzt wenig erledigen, da er monatelang bettlägerig war. Das, was ihm geblieben ist – sein Haus, sein Rennpferd Baddam – soll nach seinem Freitod durch Sterbehilfe in der Schweiz etwa Bildungsprojekten für schwarze Kinder in Jamaica und Afrika zugute kommen. Baddam soll im Juni wieder in Ascot starten, der Hengst war schon 2006 dort erfolgreich; Noel Martin hat auch bei Pferdewetten schon Glück gehabt.

Bei der Präsentation seiner Biografie Ende April in Potsdam waren auch Jugendliche aus Mahlow und Birmingham dabei – Begegnungsreisen von jungen Leuten aus Deutschland und England finanziert der von dem Neonazi-Opfer initiiert „Noel-und-Jacqueline-Martin-Fonds“. Martin hat ihn nach der Tat gegründet, um potenziell rechtsgerichtete Jugendliche aus Brandenburg mit Farbigen aus England zusammenzubringen. Doch die Zusammensetzung der vergangenen Reisen entsprach zum großen Teil nicht diesen Vorstellungen. Freunde von Martin kritisieren zudem, dass der Fonds zwar von der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam finanziell verwaltet werde, es aber keinen Beauftragten gebe, der sich in beiden Ländern langfristig um Konzeption und Durchführung der Reisen kümmert. Auch Robin Vandenberg Herrnfeld, Co-Autorin seiner Biografie, hofft, dass künftig etwa vom Land ein Hauptverantwortlicher für den Fonds eingesetzt wird. kög

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